Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

64 Der nordamerikanische Imperialismus und die von ihm bedrohten Völker, 
mexikanischem, kolumbischem und argentinischem Regime so wild und so 
grausam auf wie unter spanischer Herrschaft. Ein langer Kampf ist zur Ab- 
schüttelung dieser Unterdrückung geführt worden. Aber wir finden uns dem 
schrecklichsten Weltreich gegenüber, das die Geschichte je gekannt hat. Nur 
wenige Leute machen sich die Mühe, einmal auf der Landkarte festzustellen, 
wie dieses ungeheure Weltreich, die USA., sich durch Räuberei, durch Kriegs- 
taten, durch Grausamkeit und durch Klugheit entwickelt hat. Aber dieses 
Wunder bedroht die ganze Menschheit. Eine Weiterentwicklung des Im- 
perialismus der Vereinigten Staaten würde zur völligen Unterdrückung 
unseres Geistes führen und unseren Körper nur leben lassen, weil er arbeitet 
und Zinsen produziert. 
Wir befinden uns im Zentrum eines Weltkonfliktes. Ich bin sicher, daß 
das Zentrum des Weltkonfliktes nicht in Asien liegt. Ihr müßt bedenken, 
daß Asien schon voll bevölkert ist. Die imperialistischen Mächte suchen so- 
fortigen Profit. Darum gehen sie nach Asien. Aber sie sind weitsichtig genug, 
sich auf die Zukunft vorzubereiten. Der bedeutungsvolle Vorstoß des Im- 
perialismus richtet sich augenblicklich gegen Südamerika. Die Kräfte, welche 
dort zusammenstoßen, sind gewaltig. Im Innern haben wir die Grundbe- 
sitzerklasse und den militärischen Despotismus, die uns vernichten. Diese 
korrumpierten und zersetzenden Kräfte, die wir innerhalb unseres Landes 
haben, sind die Verbündeten der Imperialisten, die zu uns ins Land kommen 
um zu kaufen, was Verräter eines Staates bereit sind zu verkaufen. Unser 
Problem ist sehr ernst. Wir sind gespalten. Wir haben 20 verschiedene 
Nationalitäten statt einer. Innerhalb unserer eigenen Nation gibt es die ver- 
schiedenartigsten Strömungen. Ich bin Sozialist, andere sind Liberale. Die 
Partei, die ich vertrete, zum Beispiel, hat mir Instruktionen gegeben, klar 
auszusprechen, daß sie keine Kommunisten sind, nicht weil sie reaktionär 
sind, sondern weil wir in Latein-Amerika fühlen, daß wir unsere Probleme 
auf unsere eigene Art lösen sollen. Wir befinden uns nicht blind im Gefolge 
irgend eines Glaubens... Wenn wir daran gehen, Gerechtigkeit zu schaffen, so 
wissen wir, was Gerechtigkeit ist, und wir wollen sie auf unsere eigene Weise 
errichten. Wir verlangen das Recht, absolut unabhängig zu sein. Ich glaube, 
daß niemand unser Programm als rückständig bezeichnen kann. Wir haben 
alle Wirkungen des Imperialismus kennengelernt. Wir wissen, daß, solange 
wir die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in unserm Lande behalten, 
es keine Hoffnung für uns gibt und wir Kolonie bleiben werden. Bei diesen 
Meinungsverschiedenheiten, bei diesen Verschiedenheiten der Nationalitäten, 
gibt es doch ein Verbindungsglied. Die Frage des Anti-Imperialismus ist 
nicht das Problem einer einzelnen Partei in Latein-Amerika, und das Banner 
des Anti-Imperialismus: trägt nicht ein einzelner großer Führer oder Des- 
pot. Das brauchen wir nicht. Jeder Bürger Latein-Amerikas kann dieses 
Banner tragen, und wir werden es nicht einem Despoten ausliefern. Wir sind
	        
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