fullscreen: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

114 Erwachen einer Kulturkritik 
dazu geführt hat, daß überall ein Mangel an guten Lehrern 
eingetreten ist. Ein noch kümmerlicheres Dasein führt 
der Künstler, denn ebensowenig ist die Kunst etwas, wo- 
mit sich ein vernünftiger, ein tätiger Mensch ernsthaft be- 
schäftigen könnte, und man schämt sich nicht im mindesten, 
zu bekennen, daß man für sie kein Interesse hat und ihrer 
Pflege völlig gleichgültig gegenübersteht. Allenfalls findet ein 
Dilettieren Verständnis, aber die einzige Aufgabe der Kunst 
ist, das Volk zu unterhalten und zu amüsieren. Der Geschmack 
der großen Masse entscheidet, und die „geistigen soft- 
drinks‘“ 166, dje man ihr vorsetzt, die Fülle der low brow- 
Literatur, die Zeitungen, die auf den tiefsten Leser eingestellt 
sind, genügen ihr vollständig; höheres läßt sie gar nicht 
aufkommen. Den Wirtschaftsführern ist auch das Wenige 
noch zu viel; sie denken über diese Dinge wie Ford: „Man 
bemüht sich förmlich, die schöpferischen Funktionen auf 
Dinge zu beschränken, die sich an die Wand hängen, in 
Konzertsälen hören und sonstwie zur Schau stellen lassen, 
wo müßige und wählerische Leute sich zu versammeln pflegen, 
um gegenseitig ihre Kultur zu bewundern. Wer sich jedoch in 
Wahrheit schöpferisch betätigen will, der wage sich auf ein 
Gebiet, wo höhere Gesetze walten als die des Tons, der Linie 
und der Farbe — er wende sich dorthin, wo das Gesetz der 
Persönlichkeit herrscht. Wir brauchen Künstler, die die Kunst 
industrieller Beziehungen beherrschen. Wir haben die schöp- 
ferische Begabung allzusehr eingeengt und zu trivialen 
Zwecken mißbraucht.“ 167 So hat denn auch die „Nation“ im
	        
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