Se 4. Buch, V. Teil. Die Steuern.
sich ausschließen; der Staat kann Einnahmen erzielen, aber nur
dann, wenn der Schutzzweck nicht erreicht wird, oder er kann den
Schutzzweck, die Verhinderung der Einfuhr ausländischer Waren
erreichen, dann wird aber der finanzielle Zweck nicht erreicht.
Da fast jedes Land einen oder den anderen Gegenstand des
Konsums aufweist, der aus dem Auslande eingeführt werden muß,
so bilden die finanziellen Zölle überall einen wichtigen Zweig der
Einnahmen. Darin liegt auch deren Berechtigung, da diese Ein-
nahme aus anderen Quellen schwerer zu beschaffen wäre. In
manchen Fällen dient der finanzielle Zoll überhaupt als Ersatz der
Verzehrungssteuer, der dieselbe Ware im Inlande unterworfen ist.
Die finanziellen Zölle werden dort ergiebiger sein, wo einige
wenige Massenartikel, die den Gegenstand des allgemeinen Konsums
bilden, dem Zolle unterliegen, wobei noch zu berücksichtigen ist,
daß in diesem Falle auch der Verkehr weniger Belästigungen aus-
gesetzt ist. So hat England auf wenige zahlungskräftige Artikel
seine Finanzzölle beschränkt.
Die Einträglichkeit der Zölle hängt namentlich von folgenden
Momenten ab: a) richtige Konstruktion des Zolltarifes; b) Konsum-
fähigkeit und Konsumrichtung des Volkes; c) Entwicklung des
Verkehrs.
2. Nachteile usw. Die Besteuerung mittels Zöllen hat natür-
lich auch seine Nachteile. So die mit der Kontrolle des inter-
nationalen Verkehrs verbundenen Belästigungen des Personen- und
Güterverkehrs, die großen‘ Kosten der Zollverwaltung, die endlose
Kasuistik bei Anwendung der Zollsätze, der Schmuggel usw.
Die Nachkriegszeit hat bezüglich der Zollpolitik weitgehende
Vorschläge aufgeworfen, die bis zur gänzlichen Abschaffung der
Zölle gehen. In vielen Kreisen wird der Übergang zum Freihandel
nachdrücklichst gefordert, — gewöhnlich von anderen Staaten.
Wenn diese Richtung auch nicht zum Durchbruch kommt, da sich
überall der Wunsch nach Stärkung der eigenen Produktion geltend
macht, so ist es doch möglich, daß die Bildung größerer Staaten-
verbände und wirtschaftlicher Zusammenschließung mit der Zeit
die Zollpolitik in neue Bahnen lenkt. Dieser Richtung steht wieder
die Tendenz der Isolierung gegenüber, welche Folge der großen
Erschöpfung der Volkswirtschaft und des Antagonismus der Nationen
nach dem Kriege ist und dahin führt, daß jeder Staat nach Mög-
lichkeit seine Bedürfnisse aus eigener Tätigkeit decken will. Die
finanzielle Rolle des Zollwesens geht wohl bedeutenden Veränderungen
entgegen.
2Q°