Full text : Finanzwissenschaft

5. Buch. Der Staatskredit.
schuldenwesens schildert), so gilt all dies doch hauptsächlich nur
von solchen Staatsanlehen, die zu produktiven Zwecken aufgenommen
werden. Nun wurde aber ein großer Teil der Staatsanlehen zu
unproduktiven Zwecken bzw. zur Deckung des Defizits aufgenommen.
ir haben an anderer Stelle *) erörtert, welche Vor- und Nacheile
 die Aufnahme von Staatsanlehen im Auslande mit sich führt.
benso haben wir darauf hingewiesen, . daß die Aufnahme von
Staatsanlehen im Auslande auch gewisse politische Gefahren mit
sich bringt. Auch der Umstand darf nicht aus den Augen verloren
 werden, daß die neue Entwicklung die Tendenz reifte, daß
Staatsanlehen nur befreundeten Staaten gestattet werden, ja daß
auch die Forderung gestellt wird, daß ein Teil des Anlehens zur
eschäftigung der Industrie des leihenden Staates, also zum Anauf
 von Waren, verwendet werde. Natürlich sind es zumeist die
wirtschaftlich schwächeren Staaten, die sich um ausländische Anlehen
 bewerben. Nichtsdestoweniger hat gewiß die Möglichkeit,
den ausländischen Geldmarkt zur Befriedigung staatlicher Bedürfisse
 in Anspruch zu nehmen, große Bedeutung und mancherlei
Vorteile; in manchen Fällen ist dies sogar eine Notwendigkeit zur
rledigung wichtiger Staatsaufgaben, manchmal ein Erfordernis
der Selbsterhaltung, eine Lebensfrage.
2. Arten der internationalen Staatsschulden. Auf
dem Gebiete des internationalen Staatsschuldenwesens sind namentlich
 folgende Fälle zu unterscheiden: 1. Schulden eines Staates
egenüber der Volkswirtschaft eines anderen Staates infolge der
Aufnahme eines Staatsanlehens. 2. Schulden von Staat zu Staat,
die aus der Verpflichtung von Kriegsentschädigung (Reparation)
es besiegten Staates gegenüber dem Siegerstaate entstehen.
3. Schulden von Staat zu Staat, die aus dem Bündnisverhältnisse
im Kriege entstanden, indem der eine Verbündete dem anderen
it materiellen Mitteln zu Hilfe kam. 4. Schulden der Volkswirtschaft
 des einen Staates gegenüber der Volkswirtschaft des anderen
infolge von wirtschaftlichen Transaktionen. In dem zweiten und
dritten Falle handelt es sich um Staatsschulden, wie sie gewöhnlich
aus Kriegsverhältnissen zu entstehen pflegen. In dem ersten und
letzten Falle handelt es sich eigentlich um internationale Schulden,
in denen einmal der Staat als Schuldner den Privatgläubigern des
anderen Staates gegenübersteht, dann überhaupt Private Privaten
egenüberstehen. Wir haben schon an anderer Stelle darauf hingewiesen,
 daß die neuere Entwicklung dahin führte, daß die Staaten,
')a./a. O. II. Bd., II. Abtl., S. 240.
2) 8.611.

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