Object: Die Frau und die Arbeit

auf das Problem des Geschlechtsparasitismus legt, und die 
leichtere Behandlung der anderen Gesichtspunkte, wodurch 
der Eindruck erweckt werden könnte, daß die häusliche Ar 
beit der Frau der Gegenwart (die etwas durchaus Verschie 
denes von den geschlechtlichen Beziehungen von Mann und 
Frau ist, wenn sie auch indirekt damit in Zusammenhang 
steht) nicht hoch und aufs höchste anzuerkennen und zu be 
werten sei. Ich glaube, daß in der Zukunft die Frau, die ihr 
selbständiges Arbeitsgebiet aufgibt, um häusliche und ehe 
liche Pflichten irgendwelcher Art zu übernehmen, ihren 
Teil am Einkommen des Mannes nicht mehr als eine mehr 
oder weniger almosenartige Unterstützung erhalten wird, 
die sie in die Lage der Untergebenen versetzt, sondern als 
einen ihr in gerechter Teilung zukommenden gleichen An 
teil zwischen gleichberechtigten Partnern.* 
Besonders fürchte ich, daß die in diesem kleinen Buch, 
losgelöst von anderen Seiten der Frage, behandelten Punkte 
zu der Annahme führen könnten, ich hielte es für möglich 
oder wünschenswert, daß die Frau neben ihrer Aufgabe 
des Gebärens auch noch den Pflichtanteil des Mannes über 
nehmen und nicht nur ihm gegenüber alle häuslichen 
Pflichten erfüllen, sondern auch für den Unterhalt seines 
Kindes und für sich selbst sorgen solle. In dem ursprüng 
lichen Buch hatte ich in dem Kapitel über die Arbeit des 
Mannes in bezug auf Frau und Kinder mehr als hundert 
* Man wird vielleicht einwenden, wo Mann und Frau einander würdig 
hielten, sich unter allen Menschen zu lebenslänglicher physischer Ver 
einigung zu erwählen, sei es unstatthaft anzunehmen, daß eine Regelung 
ökonomischer Verhältnisse irgend notwendig wäre. Die Liebe rechnet 
nicht! Und ein jeder kenne nur den Wunsch, den andern an Hingabe zu 
überbieten. Daß dem so sein sollte, ist richtig, daß es in dem Fall der 
Vereinigung zweier moralisch vollkommen entwickelter Menschen so ist, 
ist ebenfalls richtig, und daß dieser Zustand in einer entfernten Zukunft 
ein fast allgemeiner sein wird, ist sicher richtig. Aber, wenn wir die 
Sache als praktische Gegenwartsfrage betrachten, so handelt es sich 
nicht um das, was sein sollte oder was sein wird, sondern was unter 
den gegebenen Überlieferungen und Einrichtungen unserer Gesellschaft 
heute tatsächlich besteht.
	        
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