Metadata: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

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Bernhard Harms 
bar oder unmittelbar an staatlichen Anleihen. Als erster beschritt der 
schwedische Zündholztrust, der sehr bald Nachfolger gefunden hat, 
diesen Weg. Die allgemeine Finanznot der meisten europäischen Staaten, 
insbesondere der neugegründeten, hat für diese Praxis Tür und Tor 
geöffnet. Konzession gegen Anleihe hat nichts Absonderliches mehr 
in sich. Im einzelnen ist es freilich zumeist schwer, die Zusammenhänge 
zu ermitteln, weil beide Kontrahenten begreifliches Interesse daran haben, 
der Öffentlichkeit den Einblick zu verwehren. 
Die herausgegriffenen Beispiele können die Monopolisierungsten- 
denzen in der Weltwirtschaft nicht erschöpfend kennzeichnen. Auf eine 
der wichtigsten Erscheinungen von so grundlegender Bedeutung, daß sie 
als Ausdruck der eigentlichen Strukturwandlung im wirtschaftlichen 
Organisationswesen anzusehen ist: den Einfluß, den der Staat auf die 
Monopolisierung des Rohstoffmarktes ausübt — ist überhaupt nicht 
hingewiesen worden. Die hier zutage tretenden Tendenzen sind von 
fundamentaler Bedeutung für die weitere Entwicklung der Weltwirt- 
schaft, doch fallen sie ihrer Natur nach überwiegend unter die raum- 
wirtschaftliche Betrachtung, weil sie aufs engste mit der Volkswirt- 
schaft zusammenhängen. Ihre Heraushebung und Würdigung wird 
deshalb erst später erfolgen. 
LI. 
Die Untersuchungen seien nunmehr in die andere, die raumwirt- 
schaftliche Betrachtungsweise übergeleitet. Es handelt sich, wie 
erinnerlich, um solche Bestrebungen und Maßnahmen, die auf die Ge- 
staltung des volkswirtschaftlichen Eigenlebens gerichtet sind und so 
mittelbar oder unmittelbar den raumwirtschaftlichen Aufbau der Welt 
mit der Wirkung beeinflussen, daß sich im Verhältnis der staatlich 
bestimmten Wirtschaftsgebiete zueinander Bedeutungswandlungen 
vollziehen. Ihre Darstellung möge sich an die »Ideen« anlehnen, in deren 
Bannkreis sie stehen. Ihre Zahl ist Legion. Denn auch das ist ein Zug 
in der modernen Menschheits- und Wirtschaftsentwicklung, daß leitende 
Ideen nicht »entstehene, sondern im Dienst von Zwecken »gemacht« 
werden und jedes, wie immer geartete Ziel ideologisch verbrämt wird. 
Ich will mich jedoch darauf beschränken, das herauszuheben, was für 
die Gestaltung volkswirtschaftlicher Systeme und Perioden wirklich als 
Idee Bedeutung hat. An die Spitze gestellt sei 
I. Die Wohlstandsidee. Sie ist die älteste unter den raumwirt- 
schaftspolitischen Ideen überhaupt. In der mittelalterlichen Stadt war 
sie »Idee der Nahrung«, während sie in der Sprache der Merkantilisten 
die Metamorphose zum »Reichtum« vollzog und in dieser Gestalt — obwohl 
anders gedeutet -— überwiegend auch von den Klassikern, und deren
	        
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