Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Die Höhe des Grenznutzens. und die Gütermenge 95 
Bis jetzt haben wir zusammen mit Böhm-Bawerk die Frage 
in abstrakto gestellt. Wenden wir uns nun dem „modifizierenden 
Einfluß‘ der Tausch wirtschaft zu. Wie man im voraus er- 
warten kann, werden die Erklärungen Böhm-Bawerks hierin be- 
sonders verworren sein. 
Also: „Die Existenz des Tauschverkehrs führt auch hier 
wieder Komplikationen herbei. Sie ermöglicht nämlich in jedem 
Augenblick die Deckung in einer Bedürfnisgattung anzustückeln, 
allerdings auf Kosten der Deckung anderer Bedürfnisgattungen, 
die entsprechend verkürzt wird... Hierdurch kompliziert sich 
der Kreis der Faktoren, die auf die Höhe des Grenznutzens Ein- 
fluß nehmen, folgendermaßen: Es besitzen Einfluß: Erstens 
das Verhältnis von Bedarf und Deckung, das bei den Gü- 
Fern von der zu schätzenden Art in der ganzen 
durch den Tauschverkehr verbundenen‘ Ge- 
sellschaft besteht. Denn dieses Verhältnis (von Nachfrage 
und Angebot) beeinflußt... die Höhe des Preises, der für das 
gewünschte Ersatzexemplar gezahlt werden muß, und damit den 
Umfang des Abbruchs, der jenen anderen Gütergattungen er- 
wächst, aus denen der Ersatz bestritten werden muß. Zwei- 
tens das Verhältnis von Bedarf und Deckung, das bei dem 
schätzenden Individuum selbst in den durch 
den Ersatz zu verkürzenden Bedürfnisgattun- 
gen besteht. Denn davon hängt es ab, ob der Güterabbruch 
ein tiefes oder ein hohes Niveau von Bedürfnisbefriedigung trifft, 
ob also ein kleiner oder ein großer „Grenznutzen‘“ entbehrt wer- 
den muß?*’,“* 
"Wir sehen also, daß das Verhältnis zwischen der gesellschaft- 
lichen Nachfrage und dem gesellschaftlichen Angebot an Waren 
einen Faktor darstellt, der die Höhe der individuellen subjektiven 
Wertschätzung (resp. die Höhe des „Grenznutzens‘‘) bestimmt, 
denn dieses Verhältnis bestimmt den Preis: Je höher der Preis 
irgendeines neuen Gegenstandes ist, desto höher ist die subjektive 
Wertschätzung des alten Gegenstandes. 
Es ist nicht schwer, zu merken, daß diese Ausnahme wieder- 
um eine Reihe Widersprüche in sich birgt. Erstens gilt all das 
auch hier, was wir bereits bei der Analyse der Lehre vom Sub- 
stitutionsnutzen festgestellt haben: die subjektive Wertschätzung, 
von der der Preis abgeleitet werden soll, setzt eben selbst diesen 
Preis voraus. Ferner: Als letzte Instanz, die den Preis bestimmt, 
wird das Gesetz von Nachfrage und Angebot angesehen, das sei- 
?” Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 40 u. 41.
	        
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