offeriere. Freilich sollte man auch wissen, an wen man sich wen-
det. Mir persönlich war der Trick etwas zu durchsichtig.
Die Aufmerksamkeit auf Reklamemittel ist ferner auch ganz
wesentlich abhängig von der Einstellung, die der Persönlichkeit
in dem Moment eigentümlich, wo die Reklamemittel an sie her-
angebracht werden. Tausende, welche während des Krieges und
der Inflation die Schaufenster der Nahrungsmittelgeschäfte mit
liebevollem Interesse betrachteten, gehen heute achtlos an ihnen
vorüber. Als ich einmal mit einer Reisegesellschaft auf einem
kleinen Dampfer von Kiel nach Spitzbergen und zurück reiste
und als wir zunächst an Schleswig-Holstein und Dänemark vor-
beifuhren, standen wir alle mit Ferngläsern bewaffnet auf Deck,
um das benachbarte Land ganz genau zu studieren. Hätte da-
mals jemand eine ganz genaue Karte der von uns besichtigten
Küsten verkauft, so wäre wohl jeder Abnehmer gewesen. Als wir
aber nach den großen Eindrücken des Nordens und nach ewigem
Sehen und Sehen dieselbe Strecke zurückfuhren, kümmerte sich
niemand mehr um die Gegend. Ein Verkäufer von Landkarten
hätte jetzt nur schwer unsere Aufmerksamkeit erregt und kaum
etwas abgesetzt.
Diese jeweilige Einstellung der Persönlichkeit muß von der
Reklame berücksichtigt werden, wenn sie die erforderliche Auf-
merksamkeit finden will. So läßt man z. B. wissenschaftliche
Bücher nicht zur Reisezeit erscheinen, wenn ihre Interessenten
weniger an die Wissenschaft als an die Erholung denken. Ins-
besondere bei persönlichen Besprechungen kommt es auf den
richtigen Moment an. Ein Gelehrter, der womöglich noch Uni-
versitätsprofessor ist und mitten in der Arbeit steckt, läßt sich
nicht gerne bereitfinden, seine Aufmerksamkeit ihn besuchenden
Bücherverkäufern oder Verlegern zuzuwenden, wenn die Besuche
nicht vorher festgelegt sind und er nicht Gelegenheit gehabt hat,
sich so einzustellen, daß er ihren Ausführungen mit Aufmerk-
samkeit folgen kann. Auch die endogenen Schwankungen der
An
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