wir sahen, diesen psychologischen Tatbestand mit der zweck-
mäßigen Verteilung des Lernstoffes im Unterricht in Beziehung
gebracht. Die Tatsache, daß sinnloses Material allgemein schwerer
erlernt wird als sinnvolles, lehrt uns, daß der Schulmann, sofern
er sich die Aufgabe stellt, nur ökonomisch lernen zu lassen, nicht
unverstandene Dinge auswendig lernen lassen darf, was vielfach
immer noch geschieht. Auch die Tatsache, daß unter Aufwen-
dung ein und derselben Zeit langsames Lernen für das dauernde
Behalten eines Lernstoffes vorteilhafter ist als schnelles Lernen,
während dieses wieder unmittelbarer zum Ziele führt, ist päda-
gogisch bedeutsam. Wichtig ist ferner der Umstand, daß das
Lernen von Gegenständen durch ein und dieselbe zeitliche und
räumliche Lage der Gegenstände begünstigt wird. Dieser Tat-
sache zufolge wird das Auswendiglernen einzelner aufeinander-
folgender Stoffe erleichtert, wenn sie jedesmal in derselben
Reihenfolge dargeboten werden, und wenn sie jedesmal z, B. in
ein und demselben Buche an gleichen Raumstellen behandelt
werden. Hieraus folgt, daß für ein und denselben Lernstoff in
der Schule möglichst dasselbe Handbuch beibehalten werde, und
daß, wenn ein neues Handbuch eingeführt wird, die Schüler,
welche bisher nach einem älteren Buch unterrichtet wurden,
dieses womöglich während der ganzen Schulzeit beibehalten. Die
wesentliche Unterstützung des Lernens durch den Rhythmus und
Reim zeigt, daß die gänzliche Ausrottung der Reimregeln nicht
zweckmäßig ist, wenngleich das Lernen mit Rücksicht auf die in-
haltlichen Zusammenhänge wirksamer ist als das rein me-
chanische.
Diese Tatsachen der Psychologie und Didaktik können un-
mittelbar für die Reklame nutzbar gemacht werden. Auch hier
wird sich eine Kumulierung der Reklamemittel innerhalb kurzer
Zeit weniger empfehlen, als eine Verteilung derselben auf einen
größeren Zeitraum. Man wird daher nicht sechsmal unmittelbar
nacheinander, sondern lieber sechsmal in Zwischenräumen inse-
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BZ