stellung der Kinder erzielt wurde, die durch ihre gegenseitige
Wirkung aufeinander noch eine Verstärkung erfuhr. Und wie
die schon erwähnten voneinander unabhängigen aber ähnlichen
Kulturtatsachen ein Ausdruck der primären psychischen Gleich-
förmigkeit sind, so zeigen Geschichte und Leben auch viele
sekundäre Gleichförmigkeiten. Bei allen sog. psychischen Massen-
erscheinungen. ist die sekundäre Gleichförmigkeit ein wesent-
licher Faktor, mag sie nun durch primäre Gleichförmigkeiten
eingeleitet und unterstützt werden oder nicht. Bei allen poli-
tischen Bewegungen z. B. finden wir einzelne führende, d. h. in
erster Linie einstellend wirkende Persönlichkeiten, welche die
anderen mitreißen und die gegenseitige Einstellung dieser ande-
ren in die Wege leiten. Bei der Tanzwut im Mittelalter, den sog.
religiösen Epidemien in Rußland, der Tulpomanie, den Paniken
und unzähligen Massenerscheinungen der Kriegs- und Revolu-
tionszeiten tritt uns die sekundäre Gleichförmigkeit deutlich vor
die Augen. Auch Sitten und Moden sind Gleichförmigkeits-
erscheinungen, bei denen die sekundäre Gleichförmigkeit eine
große Rolle spielt.
Wenn nun etwa eine Zeitungsreklame oder ein Offertbrief von
100 Personen gelesen wird, die nicht miteinander im Kontakt
stehen und wenn 20 von diesen Personen im Sinne der Reklame
reagieren, so liegt offenbar eine primäre Gleichförmigkeit vor.
Stehen dagegen die 100 Personen miteinander in Verbindung,
besprechen sie den Inhalt der Reklamen miteinander und eifern
sie sich gegenseitig zur Reaktion im Sinne der Reklamen an, so
sind die resultierenden gleichförmigen Reaktionen nicht nur
primäre, sondern auch sekundäre Gleichförmigkeitserschei-
nungen. Der Bedeutung der sekundären Gleichförmigkeit bei
der Reklame muß man sich nicht nur bewußt sein, man muß viel-
mehr auch bestrebt sein, sie in die gewollten Wege zu leiten und
sie möglichst umfangreich zu gestalten. Man muß aber auch
gegen abwegige Gestaltungen der sekundären Gleichförmigkeit
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