Arbeit und Muße 91
Tätigkeit in den Fabriken wie in den Bureaus herzustellen;
da diese aber die Arbeitsintensität nur gesteigert hat, so wird
es doch fraglich sein müssen, ob die Abnutzung der Menschen
auf diesem Wege gemildert und nicht vielleicht doch nur
verstärkt worden ist. In allen Schichten breitet sich eine früher
gänzlich unbekannte Vergnügungssucht aus, und so sehr hat
sich bereits der Schwerpunkt des Lebens aus der Arbeit heraus
verlagert, daß von amerikanischer Seite schon die Behaup-
tung aufgestellt werden konnte, daß der Durchschnittsameri-
kaner ein müßigeres Leben führe als der Durchschnitts-
europäer und in der Zeitverschwendung nur noch vom Spanier
übertroffen werde. „Es werden mehr Radios und Grammo-
phone auf den Kopf verkauft als in irgendeinem anderen
Lande. Die täglichen Massen bei den Baseballspielen sind
tausendmal größer als die Massen bei irgendeinem Sportschau-
spiel in irgendeinem anderen Lande, und die Filmstatistiken
zeigen, daß die Zahl der Kinobesucher 1730 mal so groß ist.
Aus der „Ford pleasure car‘“-Statistik geht hervor, daß
auf einen Ausländer 80 Amerikaner kommen, die einen Ford-
wagen zu andern wie geschäftlichen Zwecken benutzen. Und
so geht es weiter in der Statistik.“ 124 Schließlich ist auch
die Zahl der Menschen, die sich, nachdem sie genug erworben
haben, aus dem Geschäftsleben zurückziehen, in fortgesetziem
Anwachsen begriffen. Diese des Geldverdienens Müden ziehen
dann gewöhnlich in die Großstädte, die ihnen noch am ehesten
Möglichkeiten bieten, ihre Zeit hinzubringen und ihr Geld
auszugeben. So ist denn begreiflicherweise New York jetzt