. Neue Wirtschaftsmoral 93
Zuständen in Amerika seinen Ursprung. Man will nament-
lich erkennen, daß die großen Korporationen und Trusts,
diese „Gesellschaft von Freibeutern‘“ 124a, eine beträchtliche
Menge von Schuld an der Verschlechterung des ethischen
Standards auf sich geladen haben, „bei denen das Fehlen
des persönlichen Kontaktes den Sinn für die Niedertracht
und Grausamkeit: ihrer Handlungen bei den Leitern einge-
schläfert hat“ 125, Lloyds Buch „Wealth against Common-
wealth‘‘ 126, der erste Vorstoß, erweckte noch keinen sehr
lebhaften Widerhall, aber es folgten dann mehrere große
Skandale und Enthüllungen, an die sich die sogenannte muck-
raker-Literatur anschloß. Diese machte es sich zur Aufgabe,
in die chronique scandaleuse der großen Gesellschaften hin-
einzuleuchten, die Machenschaften aufzudecken, denen sie ihre
Machtstellung verdankten, die zahlreichen „kommerziellen Er-
mordungen‘“ 127, die sie auf dem Gewissen hatten, in der
weiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die gegen die
Trusts gerichteten Gesetze haben bekanntlich nicht übermäßig
viel erreicht, und sich damit begnügen müssen, ein wenig
hemmend gewirkt zu haben. Der öffentliche Ankläger hatte
sich nicht gescheut, von dem Tabaktrust zu sagen, er sei
in Sünde erzeugt und in Schande geboren. Wilson sprach
von den Korporationen als von einer Gesellschaft von Ein-
brechern, die auf gesetzlichem Wege den Diebstahl organi-
sieren, und gegen deren verbrecherisches Vorgehen man höch-
stens eine Anklageschrift oder eine Strafe erreicht, die die
Ausgeplünderten selbst zahlen müssen 128, Die Korruption an