Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Neue Wirtschaftsmoral 95 
wußtsein einer Pflicht, keinerlei Grundsätze achtend, nur 
darauf bedacht ist, ein Vermögen anzusammeln und dieses 
nur zu den niedrigsten Zwecken zu verwenden — ob nun diese 
Zwecke in Aktienspekulationen und verkrachten Eisenbahnen 
ihm selbst oder seinem Sohn erlauben, ein Leben in törichtem 
und verschwenderischem Müßiggang oder gemeiner Schwel- 
gerei zu führen oder für seine Tochter einen einheimischen 
oder ausländischen Schurken von hoher gesellschaftlicher 
Stellung zu kaufen. Ein solcher Mann ist nur um so gefähr- 
licher, wenn er gelegentlich eine Universität gründet oder eine 
Kirche stiftet, die dann die Leute, die genau so töricht sind, 
seine wirklichen Missetaten vergessen machen.‘ 1% Gerade 
bei den Schenkungen der Reichen macht sich der 
Umschwung der öffentlichen Meinung sehr deut- 
lich. Die Worte Carnegies hatten so schön geklungen: „Wer 
reich stirbt, stirbt ehrlos‘, man ließ sich gerne durch die 
Riesensummen blenden, die auf jenem Wege in das Volk zu- 
rückflossen und hielt die Geber der Nation als leuchtende 
Beispiele vor. Jetzt steht man dem Erwerb großer Vermögen 
mißtrauisch gegenüber, man wird sich mehr und mehr der 
Gefahren bewußt, die durch den wachsenden Einfluß des kon- 
zentrierten Kapitals entstehen. Die Gaben der Reichen er- 
scheinen daher unter einem anderen Gesichtswinkel, das „non 
olet‘“ hat für sie seine Gültigkeit eingebüßt. Man spricht von 
„‚tainted money“, man fragt sich, ob „ein Mann die Sünde sei- 
ner linken Hand mit einer Wohltat der rechten wettmachen 
kann“ 182, man weigert sich ‚anzuerkennen, daß die „durch
	        
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