Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

96 Neue Wirtschaftsmoral 
ungerechtfertigte Privilegien, Bestechung, Bedrückung zu- 
sammengebrachten Reichtümer durch Geschenke an die 
Öffentlichkeit, private Mildtätigkeit entschuldigt und be- 
schönigt werden können“ 183, Die Industrial Commission ist 
so weit gegangen, die Schenkungen als eine Bedrohung des 
Staates zu bezeichnen ; sie seien größtenteils das Ergebnis der 
Ausbeutung der amerikanischen Arbeiter durch niedrige Löhne 
oder der Ausbeutung des Publikums auf dem Wege der Er- 
pressung hoher Preise, seien also ein rechtmäßiger Besitz 
des amerikanischen Volkes134, Man steht heute der Tatsache 
gegenüber, daß das Geld der Reichen nicht mehr zu ent- 
behren ist, daß wesentliche Teile des kulturellen Lebens ohne 
dieses gar nicht mehr denkbar sind; mit Mißbehagen wird 
man sich bewußt, in welche Abhängigkeit man sich gebracht 
hat, indem der gute Wille einzelner Personen hier zu ent- 
scheiden hat, und diese begreiflicherweise alle Einwirkungen 
fernzuhalten suchen, die ihre, meist wirtschaftlichen Inter- 
essen stören könnten. Die Universität von Wisconsin hat z. B. 
kürzlich eine bedeutende, ihr angebotene Geldsumme abge- 
lehnt, weniger, wie es in der Begründung hieß, wegen ihrer 
Vergangenheit, als wegen ihres Einflusses in der Zukunft 135; 
auch den Trusts unbequemen Lehrmeinungen soll ein Raum 
gewährt werden können. Anlaß zur Verstimmung geben aber 
auch die Verwendungszwecke1%, Es wird beklagt, daß die 
Zuwendungen stets die gleichen Richtungen einschlagen und 
daß die Schenker über so wenig Phantasie verfügen: In- 
telligenz und Reichtum sind eben doch nicht immer gepaart,
	        
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