Verhältnis von Kapital und Arbeit 97
wie es ehedem die Überzeugung war. Welche Hebung, so
so fragt man sich, könnte das gesamte kulturelle Niveau er-
fahren, wenn die riesigen Summen nicht immer und immer
wieder nur Organisationen zuströmten, sondern Individuen
gegeben würden. Mit den 40 Millionen Dollars etwa, die ein
gewisser Duke einem mittelmäßigen College gespendet hat,
könnten sämtliche begabten Künstler in den Vereinigten
Staaten mehrere Jahre lang unterhalten werden: auf die Her-
ausgabe von Jahresberichten müßte man dann freilich ver-
zichten.
Ein von dem früheren sehr verschiedener Geist im Ver-
hältnis des Unternehmers zum Arbeiter, des Ka-
pitals zur Arbeit beginnt sich zu regen. Wenn sich auch
manche Captains of industry der vorigen Generation schließ-
lich zu Grundsätzen bekannt haben, die die allgemeine skrupel-
freie Ausbeutung des Arbeiters nicht zuließen, so darf man
das nicht allzu ernst nehmen. Wir hören etwa Carnegie
sprechen: „Die weiseste Politik, die ein Arbeitgeber für seine
Leute einschlagen kann, ist, durch Taten zu zeigen, daß er
ein Herz für sie hat. Gelegentlich, bei einem Unglück oder
irgendeinem Notstand sollte eine Firma immer zeigen, daß
sie Anteil nimmt, daß sie auch menschlich ist und eine offene
Hand hat.‘ 137 Solche und ähnliche Worte wurden von den
Führern nur gesprochen, wenn sie bereits alt geworden waren
und sich darauf verlegt hatten, moralisch zu werden; es ist
wohl meist. bei den Worten geblieben, das Handeln überließen
sie lieber den andern. Man denke in diesem Falle nur der Pitts-
Rühl, Vom Wirtschaftsgeist in Amerika ;