Industrie, Handel und Verkehr, öffentlichen Diensten und beson-
ders auch in den gehobenen akademischen und intellektuellen
Berufen von 1 540 000. Diese Umschichtung in der weiblichen Berufs-
tätigkeit hat mancherlei beachtenswerte Ursachen. In der Land-
wirtschaft hat eine weitgehende Maschinisierung den Wirkungs-
kreis der landwirtschaftlichen Arbeiterin nicht unerheblich ge-
schmälert. Der Farmer in den einigermassen fortgeschrittenen
Landwirtschaftsstaaten — vielleicht von den schon erwähnten
Border hill countries abgesehen — Ssäet, mäht, drischt, erntet,
bündelt, füttert und melkt mit Maschinerie. Dem ärmeren Farmer
steht hierfür der genossenschaftliche Maschinenbesitz seines Land-
bezirks zur Verfügung. Das Mahlen des Getreides und das Be-
reiten der Milchprodukte in den Molkereien, wie wir es vielfach
in Wisconsin, Minnesota und Kansas gesehen haben, erfolgt in
weitem Umfang durch genossenschaftliche Betriebe. Und für das
Melken sind die Farmer — wiederum von den Border hill countries
und solchen verlassenen Gegenden abgesehen — bis in die unter-
sten Schichten maschinell eingerichtet. Wir haben dies auf typischen
Armeleutefarmen gesehen. Der Farmer ist eben weniger „Bauer“
als ein gut Stück von einem Mechaniker. Wir werden aber eben-
falls noch sehen, dass dies nicht der alleinige Grund ist für den
Abmarsch der Frau aus der Landwirtschaft.
Im Haushalt liegt es ähnlich. Bis in eine breite Oberschicht der
Arbeiterschaft hinein ist der Haushalt maschinisiert. Zentral-
heizung, Waschmaschine, Plättmaschine, Staubsauger, besonders
der weitverbreitete Konsum fabrizierter Konservenspeisen machen
nicht nur bis hinauf in anspruchsvollere Schichten das Dienst-
mädchen überflüssig, sondern engen auch den Wirkungskreis der
Hausfrau sehr ein. „Die Mädchen zu lehren, den Knaben zu
wehren“, gibt es Kindergärten, Schulanstalten, Lichtspiele, welche
die aufsichtsbedürftige Jugend den grössten Teil des Tages über
aufnehmen. — So wird die Frau in den Wettbewerb mit dem Manne
geradezu hineingedrängt, der ihr um so leichter fällt, als ihr auch
an Musse und Gelegenheit zur Ausbildung alle Wege offenstehen.
Zwei Fünftel der amerikanischen Studenten höherer Lehranstalten,
Hochschulen und Universitäten sind weiblichen Geschlechts. Der
völlig freie Weg zu den Bildungsstätten hilft neben der Mechani-
sierung von Land- und Hauswirtschaft am meisten zur Revolutio-
nierung des weiblichen Lebensberufes.
Demgemäss ist auch die wirtschaftliche Funktion und die soziale
Stellung der Frau eine ganz andere als hierzulande. Noch ist ihre
soziale und wirtschaftliche Position wie das ganze Gesellschafts-
leben des Landes unstet und flüchtig, immer neue Umgestaltungen
zeitigend. Ob die Frau selbst diesen Rollenwechsel als einen Segen
empfindet, erscheint uns nach allem Gehörten und Gesehenen
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