1. Erwachen einer Kulturkritik
einem Schlage zu einem der populärsten amerikanischen
Schriftsteller machte; viele Leser mögen allerdings vielleicht
gar nicht den Sinn des Buches erfaßt und sich nur an der
wahrheitsgetreuen Vorführung ihres eigenen Daseins gefreut
haben. Der ganze Inhalt ist eigentlich nichts anderes wie die
in die Form eines Romans gekleidete, ungeschminkte Schil-
derung des Lebens in einer kleinen Präriestadt, das dem
Spießer die Verwirklichung aller seiner Wünsche bietet, und
in das dann eine Frau Höheres hineinzubringen sucht, woran
sie schließlich zugrunde geht. Im Jahre 1922 erschien dann
unter dem harmlosen Titel „Civilization in the United States“
ein Werk, das die Arbeiten von dreißig, durch nichts als
durch eine gemeinsame Geisteshaltung verbundener Autoren
vereinigte, und das einen Überblick darüber bietet, was diese
neue Bewegung sich zum Ziele gesetzt hat und wem sie den
Krieg erklärt. Sie lassen alle Gebiete der Kultur Revue
passieren, die Politik und die Presse, die Erziehung und die
Schule, das Wirtschaftsleben und die Bevölkerungsfrage, die
Wissenschaft und die bildende Kunst, das Theater und die
Literatur, und sie kommen bei allen zu dem Ergebnis, daß die
Überlegenheit, an die das ganze Volk wie an ein Dogma ge-
glaubt hat, nicht nur nicht existiert, sondern daß die Ver-
einigten Staaten sich auf kulturellem Gebiet erst in einem
Embryonalstadium befinden. Ohne jede Schonung, aber unter
ständiger Heranziehung von Belegen zeigen sie die Dinge, wie
sie in Wirklichkeit sind und suchen dem amerikanischen
Publikum die Augen dafür zu öffnen, daß man von wahrer
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