Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

N Erwachen einer Kulturkritik 115 
Jahre 1925 eine Umfrage darüber veranstaltet, ob Dichter 
und bildende Künstler in den Vereinigten Staaten eine Atmo- 
sphäre vorfinden, die ihnen ein Schaffen ermöglicht, oder 
ob sie nur im Ausland arbeiten könnten. 
Keine große fundamentale Entdeckung hat in Amerika 
ihren Ursprung, nichts Neues, Eigenes auf geistigem Ge- 
biet von wirklicher Bedeutung hat es hervorgebracht, wenn 
man nicht etwa die Ausbildung der short story hierher 
rechnen will. Was an höherem Geistesleben vorhanden ist, 
steht in engster Abhängigkeit von Europa. „Auch Europa 
hat seine Babbits, aber sie geben dort nicht den Ton an‘ 168, 
Es fehlt an einer gebildeten Schicht, die materiell unabhängig 
ist und Zeit hat, es fehlt eine geistige Aristokratie, die den 
mob-spirit lenkt und bändigt, die neuen Ideen offen ist und 
ihnen Achtung verschafft. Die Folge ist ein äußerst niedriger 
Stand des. allgemeinen Bildungswesens, eine geistige Unter- 
ernährung, ein „modernes Barbarentum“‘“ 169 und „ein 
Schlachthaus des guten Geschmacks, das sowohl dem Grade 
nach als seiner Größe in der ganzen zivilisierten Welt nicht 
seinesgleichen hat‘“17%. Die Hauptschuld an diesem Zustand, das 
ist die Überzeugung jenes kleinen Kreises von Kulturkritikern, 
tragen die Herrschaft der Frau und der Puritanismus. Die 
Frau, die, allein von der Arbeit befreit, die Gesellschaft regiert 
und in deren Hände das Richteramt über die wichtigsten kul- 
turellen Fragen gelangt ist. Der Puritanismus, der alle gei- 
stigen Bedürfnisse auf sich konzentriert und sämtliche Ge- 
biete des Lebens unter seine Kontrolle genommen hat. Ihm 
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