Object: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Gesamt-Staatsausgaben Ausgaben für die eigentliche 
Staatsverwaltung 
Ausgaben für 1914 1925 1914 1925 
Vorkriegskaufkraft Vorkriegskaufkraft 
in Millionen fr. 
Oberste Staatsorgane.: ........0..... 21,3 9,9 21,3 9,9 
Rechtspflege. .........4...0000044 4 68,1 51,6 68,1 51,6 
Innere Verwaltung. .....0..0.04. 137,9 166,1 118,7 149,7 
Auswärtige Angelegenheiten......... 22,9 34,5 22,8 34,5 
Kolomalwesel use er nen 243,1 171,8 213,8 163,1 
Landesverteidigung ................ 1 945,9 1.182,0 1 945,6 1 132,0 
Finanzverwaltung... ... 4.0.0004 1 139,3 3 767,6 199,0 397,2 
Unterricht, Kunst und Wissenschaft, 416,8 555,6 387,5 496,9 
Kirchenwese rue. er nr nee 7,8 9,9 7,5 9,8 
Soziale Aufgaben 2.0. er 249,4 165,2 11,9 11,9 
Wirtschaft 419,2 337,5 151,6 173,7 
Staatliche Erwerbsbetriebe.......... 125,4 61,3 — 
Ausgaben auf Grund des Krieges ... 2 210,4 Ä 369.1 
Insgesamt .... 4 797,1 8 673.4 “47.8 2900. 
Drittes Kapitel. 
Die neuere Finanzentwicklung in Belgien. 
I. Die Finanzlage Belgiens in den letzten Jahren vor dem Kriege, 
a. Die Entwicklung der Ausgaben. 
Die belgische Finanzwirtschaft der Vorkriegszeit unterscheidet sich in ihrer Struktur sehr wesentlich von 
der aller anderen hier behandelten Staaten durch politische, soziale und administrative Besonderheiten. 
Belgien war keine Großmacht und hatte daher nicht die finanziellen Aufgaben, die den anderen Staaten 
aus ihrer Großmachtpolitik erwuchsen. Es hatte keine Kriegsmarine; die Heeresausgaben wuchsen nicht 
in demselben Maße wie bei den europäischen Großmächten infolge des Wettrüstens. In sozialpolitischer 
Beziehung war die Lösung wichtiger Aufgaben erst gerade in Angriff genommen; eine Sozialversicherung 
war nur in Ansätzen vorhanden. Es gab in Belgien noch keine allgemeine Schulpflicht. Der Staat hielt 
sich von finanziellen Leistungen für das Volksbildungswesen sehr zurück; die Einrichtung und F inanzierung 
der Schulen lag im wesentlichen bei den Kommunen und der Kirche, 
Die Besonderheiten der staatlichen Struktur in Belgien können an dieser Stelle nur angedeutet werden; 
im einzelnen muß auf die Darstellung der verschiedenen Ausgabezwecke (vgl. Dritten Teil) verwiesen werden. 
Die finanziellen Anforderungen für die Erfüllung der vom Staate übernommenen Aufgaben sind trotz 
der erwähnten Begrenzung seiner Tätigkeit auf einigen Gebieten in rascher Folge gewachsen. Der Ausgabe- 
etat weist in 50 Jahren (von 1860 bis 1910) eine Steigerung um fast das Sechsfache auf!). 
Gesamtausgaben des Staates (einschl. der Ausgaben für die staatlichen Erwerbsbetriebe). 
in 1000 fr. in 1.000 fr, 
180 118-730,9 1890... 417 893,6 
1860-240 159 025,4 1900 574 158,2 
180 216 907,8 1910... 829 456.2 
18800. 00 BER 0084 
Die Beteiligung der einzelnen Verwaltungszweige an der Steigerung der Staatsausgaben ist nicht fest- 
zustellen, weil eine gesonderte Abrechnung in der Regel erst mit Errichtung des betreffenden Spezial- 
ministeriums durchgeführt wurde. Schon die Einrichtung dieser Spezialministerien ist jedoch bezeichnend 
für die Dringlichkeit der jeweiligen Staatsaufgaben. So wurde ein Gewerbe- und Arbeitsministerium 1895, 
ein Unterrichtsministerium und ein Ministerium für öffentliche Arbeiten 1907, ein Kolonialministerium 
1908 gebildet. Der Aufwand für das Gewerbe- und Arbeitsministerium stieg von 4,4 Millionen fr. im Jahre 
1900 auf 27,2 Millionen fr. im Jahre 1912, ‚hauptsächlich infolge der Einführung der Altersrenten. Für 
Unterrichtszwecke wurden 1900 vor der Errichtung des Unterrichtsministeriums 25 Millionen fr. veraus- 
gabt. während 1912 im Ministöre des Seiences et des Arts 41.5 Millionen fr. ausgewiesen sind. 
1) Für die Preisentwicklung in dieser Zeit fehlen brauchbare Unterlagen 
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