Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

. Anschauungen über den Beruf ® 
die Frage, ob er Violine spielen könne, zur Antwort gab: 
nein, aber ich will es einmal versuchen! Während man bei 
uns an der einmal ergriffenen Tätigkeit festzuhalten pflegt, 
auch dann, wenn man erkannt hat, in ihr gescheitert zu sein, 
sieht man sie dort als etwas Vorübergehendes an; bei einem 
Nichtreussieren hindert nichts, sie aufzugeben und sich einer 
völlig andersgearteten zuzuwenden. Man hängt nicht an der 
Behörde oder der Firma, man kennt nicht den Begriff der 
Carriere, und da Pensionen nicht gewährt werden, auch nicht 
den Typus des Pensionsjägers. Dieser häufige Berufswechsel, 
für den es auch im höheren Alter nicht zu spät ist, der vor 
keinem Beruf, auch nicht etwa dem ärztlichen, Halt macht 
und der keinerlei Schande bringt, ist ungemein charak- 
teristisch; man betrachte etwa, welche Tätigkeiten einige Präsi- 
denten der Vereinigten Staaten nacheinander ausgeübt haben: 
Lincoln war Farmer, Milizhauptmann, Postmeister, Rechts- 
anwalt, Grant Kadett, Leutnant, Hauptmann, Farmer, Leder- 
händler, Oberst, kommandierender General, Garfield Tage- 
löhner, Fuhrmann, Schiffer, Lehrer, Student, Professor, 
Schuldirektor, Milizoffizier, Brigadegeneral, Abgeordneter im 
Kongreß. Dadurch erklärt sich der häufige Ortswechsel, die 
unverhältnismäßig geringe Zahl der Leute, die in dem Ort 
oder auch nur in dem Staat leben, in dem sie geboren wurden; 
irgendwelche Hemmungen bestehen ja auch auf diesem Ge- 
biete nicht. Die Unternehmer haben von jeher daraus ihren 
Vorteil nehmen können; es war immer leicht, Angestellte und 
Arbeiter auch aus den fernsten Gegenden heranzuziehen und
	        
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