Motive des Gelderwerbs m
behaupten, daß eher das Gegenteil richtig sei, daß die Ameri-
kaner sich weniger aus dem Gelde machten als Franzosen,
Engländer und Deutsche 7°, daß die auf den Besitz abzielenden
Instinkte bei ihnen gar nicht stark entwickelt seien7?l; sie
meinen gar, nirgends sei man so frei von der Verehrung des
Mammons 72, kein Volk der Welt lege so wenig Wert auf das
Geld um des Geldes willen wie die Amerikaner 73,
Daß der Amerikaner alle Dinge auf den Generalnenner Geld
zu bringen sucht, hängt mit seinem Bestreben zusammen,
überall zu messen und zu wiegen ; Zahlen als solche
machen ihm Freude, weil sie ihm die Vergleichbarkeit und
damit ein besseres Verständnis ermöglichen. Die Heranziehung
des Geldes als Maßstab erlaubt ihm Inkommensurables auf
eine Ebene zu projizieren, mögen auch die Rangunterschiede
zwischen den Dingen dabei verwischt werden.
Die Motive des Gelderwerbs"* sind als die kapi-
talistischen natürlich qualitativ die gleichen wie in der euro-
päischen Wirtschaftswelt und vereinigen, verschieben sich mit
den einzelnen Stufen des Lebens und Aufstiegs ebenso wie
bei uns; durch ein anderes Mischun gsverhältnis er-
halten sie aber wiederum eine eigene amerikanische Note. Zu-
nächst kommt hier in Betracht der Drang, ja, man muß
sagen, die Gier nach Komfort, wie es nicht anders sein
kann bei einer Weltauffassung, in deren Glücksbegriff der
Komfort mit einem sehr hohen Prozentsatz eingeht. Ein Kom-
fort, der sich von dem, was man in Europa unter Luxus
versteht, freilich unterscheidet, da er fast nur Bequemlichkeit,