43 Motive des Gelderwerbs
nichts von der Exklusivität, von der Erfüllung feinerer Be-
dürfnisse nur wenig enthält. Der enorme Warenhunger und
die hohen, sich rasch steigernden Ansprüche, vor allem der
Frauen, haben Amerika zu dem ungeheuren Markt der Massen-
produktion gemacht. Der ganze Zuschnitt des Lebens trägt
den Charakter der Breite, man rechnet nicht mit dem Cent,
aber eigentliche Verschwendung ist dem Amerikaner zuwider.
Weil ein ziemlich hoch gespanntes Minimum von Komfort,
das für die entsprechende europäische Schicht unter der
Schwelle der Erreichbarkeit liegt, absolutes Bedürfnis ist,
haben auch die amerikanischen Soldaten unter den Entbeh-
rungen im Kriege weit mehr gelitten als ihre europäischen
Kampfgenossen.
Wenn das Geld sich so vordrängt, daß alles im Geldmachen
aufzugehen scheint, so ist es nicht aus Liebe zum Gelde, aber
auch nicht in erster Linie wegen seiner kaufenden Kraft,
sondern weil das Geldverdienen das Hauptmittel zu
aktiver Betätigung ist, weil das business der angesehenste
Beruf ist, der sich darbietet und schließlich, — „weil über-
haupt nichts anderes zu tun ist’5. Der Puritanismus stellt ja
das Reichwerden als eine sittliche Pflicht hin und Reichtum
allein läßt darum schon glücklich werden. Weiterhin vermag
das Geld auch darum besonders starke Reize zu entfalten,
weil ihm weite Aussichten gegeben sind, der Phantasie ein
umfassender Spielraum gelassen ist. Der Amerikaner kann
auch hier noch an das „Wunder“ glauben, wohingegen für
die weitaus größte Mehrzahl der Europäer die Höhe des Ein-