d2 Der Reiche
dern fortdauernd im Privatleben Gelegenheit sucht und findet;
auch hier bleibt der Sieger, der die richtigere Kalkulation an-
gestellt hat. Der reine Spielergewinn ohne irgendeine Mög-
lichkeit der Betätigung und der Berechnung vermag ihn nicht
zu locken und läßt ihn ganz kalt.
Die Hauptsache für die Überschätzung des Geldes und den
Drang reich zu werden liegt jedoch auf sozialem Gebiet, ist
darin zu suchen, daß der Wertdes Menschenanseiner
Leistung gemessen wird, und diese sich in dem aus-
drückt, was ihm an Geld zu verdienen gelungen ist; eine
Folge einerseits der vom Puritanismus aufgestellten Forde-
rung, sich durch die Erwerbung von Besitz zu „bewähren“,
andererseits des Fehlens anderer Maße. Das Einkommen und
der Besitz sind der Maßstab des Erfolges, es gilt hier der Satz:
Der Mensch ist, was er hat, und damit wird das Reichwerden-
wollen zu dem dominierenden Motiv für die Einengung allen
Strebens auf den Gelderwerb. Dieses konnte allerdings zu
voller Entfaltung erst im Beginn des zweiten Drittels des
19. Jahrhunderts gelangen. Bis zu dieser Zeit war die Span-
nung zwischen den Besitzunterschieden nicht allzu groß, be-
deutende Vermögen oder gar Riesenvermögen existieren noch
kaum. Erst mit der wirklichen Erschließung der Mitte und des
Westens der Union eröffneten sich die beispiellosen Aussich-
ten für die Gewinnung von Reichtum, und damit entstand die
alle erfassende und alles beiseite schiebende Begier, reich zu
werden.
Der Reiche hebt sich aus der Masse heraus, er wird zum