Die Schenkungen der Reichen 57
pour la science einen so’ wenig günstigen Boden bei ihm vor.
Der Künstler und der Gelehrte, soweit seine Wissenschaft
nicht praktischen Zielen dient oder zu dienen scheint, ge-
nießen nur geringe Achtung, denn es ist kein „Markt“ für sie
da und ihr Einkommen bleibt also notwendigerweise gering.
Auf die großartigen Schenkungen, die die Reichen
ihrem Lande machen, und die so oft den Neid Europas erregen,
ist man auch in Amerika selbst nicht wenig stolz. Einige Dollar-
könige lieferten das Vorbild, ihr Beispiel hat aber dann in
einer Weise Schule gemacht, daß das Wegschenken des Geldes
in diesen Kreisen fast ein Usus geworden ist und eher die Regel
als die Ausnahme bildet; es gilt schon beinahe als eine Unehre,
es nicht zu tun. Es macht die Stifter populär, man erhält
einen im ganzen Lande gekannten Namen, und das Ansehen,
das die reichen Leute genießen, gründet sich in nicht geringem
Maße auf diese Leistungen. Wenn man daran denkt, daß wohl
nirgends das Wort Bourdaloues mehr Berechtigung hat als
in Amerika, daß „ä Vorigine de toutes les grandes fortunes
il y a des choses qui font frömir‘“, so wird in vielen Fällen
als Motiv der Schenkung auch das Bedürfnis nach einem see-
lischen Beruhigungsmittel mitwirken; sie wird die Annehm-
lichkeiten dessen gewähren, was man in England als „con-
science money“ zu bezeichnen pflegt. Von Analogem in Europa
unterscheidet sich jedoch die amerikanische Form der Ver-
mögensentäußerung nicht nur durch das weit größere Aus-
maß, indem es sich dabei um wirklich bedeutende Vermögens-
teile handelt, sondern vor allem dadurch, daß sie schon zu