Die Wirtschaftsmoral 67
und nicht durch Vermittlung eines Rechtsanwalts abgeschlossen
würden, daß die meisten Geschäftsleute diese Ausgaben
für überflüssig halten und ihr ganzes Leben ohne
einen solchen auskämen ; das gegenseitige Vertrauen in die Einhaltung
von Verträgen müsse also sehr viel größer sein, als
etwa in England, wo man in solchen Fällen die Zuhilfenahme
eines Rechtsanwalts als absolut notwendig betrachtet, und auch
Shadwell betont auf Grund seiner Erfahrungen, daß man im
Gegensatz zu England, wo allgemeines Mißtrauen herrsche,
in Amerika an die Ehrlichkeit eines andern glaube, weil man
selbst ehrlich sei und niemand fürchte?%. Daß Geschäftsehre
und Redlichkeit auf einer keineswegs niedrigen Stufe
stünden, will schließlich Butler daraus folgern, daß nur 5%
alles umlaufenden Geldes in bar ausgezahlt würden, und daß
ganz allgemein Mündelgelder und Depositen mit einer peinlichen
Redlichkeit verwaltet würden 100,
Wir möchten freilich gerade diese Dinge als Anzeichen einer
besonders hochstehenden Ethik nicht so schwer wiegen lassen,
denn es gehört zum Wesen des kapitalistischen Wirtschaftssystems,
daß der Kredit als etwas Heiliges angesehen werden
muß, weil nicht eingehaltene Verpflichtungen auf diesem Gebiet
das ganze System in Gefahr bringen. Wir möchten aber
vor allem die Frage entgegenhalten: Kann die allgemeine
Geschäftsmoral von strengen Grundsätzen geleitet sein in einem
Lande, wo man des Glaubens ist, daß das Interesse des Einzelnen
nie dem der Allgemeinheit entgegen sein könne, wo man
den Erfolg als die höchste Instanz nimmt, wo die „Tüchtigx“