68 Die Wirtschaftsmoral
keit“ mit Geschicklichkeit und schließlich mit Schlauheit iden-
tisch wird, die unter den geschäftlichen Tugenden den ersten
Platz erhält? Das Wirtschaftsleben schafft sich eine eigene
Ethik und unter solchen Verhältnissen muß sich doch wohl
ein Geschäftsgebaren entwickeln, das nur zu oft zu einer
völligen Spaltung der menschlichen Persönlichkeit führt.
Leute von absolut integrem Charakter tun als Geschäftsmänner
Dinge, die sie als Privatleute niemals getan und aufs schärfste
verdammt hätten, wie man andererseits auch über minder-
wertige menschliche Eigenschaften hinwegsieht, wenn ihr,
Träger erfolgreich gewesen ist. Daß von verschlagenen Manö-
vern, die außerhalb des business nicht geduldet werden würden,
von nicht sehr sauberen Kniffen ganz frei geredet wird,
daß man Komplimente für sie zu hören erwartet, beweist aufs
deutlichste, daß sie in allgemeiner Übung sind. Jedem Schwin-
del stehen die Tore offen, er nimmt gewaltige Dimensionen an,
und es sind z. B. nach einer amtlichen Feststellung in dem einen
Jahre 1924 nicht weniger als eine Milliarde Dollars in völlig
wertlosen Papieren angelegt worden. Alles muß als erlaubt
gelten, wenn es nur zum Ziele führt. Vor gesetzlichen Be-
stimmungen hat man wenig Achtung; man sucht Lücken in
ihnen auf — und die meisten amerikanischen Gesetze sollen
einen sogenannten „Joker“ enthalten — und freut sich, wenn
man durch sie hindurchschlüpfen kann: denn wenn ein Gesetz
überschritten wird, so ist das Gesetz daran schuld, weil es
Bricht ist. Nur an sich selbst hat jeder zu denken, und dieses
„every-man-For-himself-and-the-davil-take-the-hindmost-sy-