Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

79 Die Wirtschaftsmoral 
fügten, in einer gewiß außerordentlich geschickten Weise aus- 
genützt, sich aber um die moralischen Verwüstungen, die sie an- 
richteten, auch nicht im mindesten gekümmert 1%, Dadurch, 
daß in Amerika alles viel leichter in die Öffentlichkeit gebracht 
wird, weil die Zeitungen durch die Herauszerrung ihre Ein- 
nahmen zu erhöhen suchen, erhält der Außenstehende leicht den 
Eindruck, als ob es in dieser Hinsicht anderwärts um ein Mehr 
besser stünde, das vielleicht doch nicht vorhanden ist. 
Der sonst so unkomplizierte Amerikaner erweist sich im 
Wirtschaftlichen als ziemlich raffiniert, der Wirtschaftskampf 
wird mit jeder nur denkbaren Strenge, unter Anwendung aller 
und jeder Mittel geführt, aber er zeigt doch auch wieder einen 
Zug, der ihm eigentümlich ist, und den man bei uns höchstens 
als individuelle Ausnahme antreffen wird. Man achtetsich 
als Kämpfer, die Person wird nicht angetastet, und man 
hört die Streitenden nie schlecht voneinander reden. Ist einer 
niedergerungen, so gibt es nicht nur ein shakehand, nein, man 
sucht seinen früheren Konkurrenten sogar zu unterstützen und 
ihm die Möglichkeit zu eröffnen, von neuem in der Arena 
aufzutreten. Es ist von Münsterberg auf die gänzliche Ab- 
wesenheit eines Neidgefühls hingewiesen worden, das man 
im wirtschaftlichen Kampf genau so wenig kennt, wie es der 
Schachspieler zu empfinden vermag, der von seinem Gegner 
mattgesetzt wurde. Und ebenso bemerkenswert ist das unge- 
wöhnlich hohe Maß von wirtschaftlichem Vertrauen, das man 
jedem in allem entgegenbringt; als selbstverständlich setzt 
man voraus, daß die Spielregeln geachtet werden 104,
	        
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