Die neue Einwanderung 83
enge geworden war, für die die Maschinenindustrie keinen
Platz ließ, Menschen, die das „sweet land of liberty‘““ suchten,
und sich eine neue Existenz aufzubauen bemühten ; sie brachten
Weib und Kind mit, verfügten über gewisse Mittel, hatten
meist auch irgend etwas gelernt. Vor allem: sie wollten Europa
hinter sich lassen, hatten mit seinen Traditionen gebrochen
und wollten Amerikaner werden. Was Moorfield von Amerika
erwartet hatte: „Nicht wie die Menschheit ihre Freiheit erkämpft,
sondern wie sie ihre Freiheit täglich, stündlich, in
Haus, Kirche und Schule gebraucht — das muß mir die
Menschheit auf ihrem Gipfel zeigen. Darum ging ich nach
Amerika. Hier sind die größten Maßstäbe, die weitesten Perspektiven,
hier ist das Leben eine Wahrheit, und die Toten
werden alle begraben, nicht bloß teilweise, wie in Europa.
Hier ist die Werkstätte des Ideals“ 118; Millionen hatten es
gesucht. Sie sind die eigentlichen Pioniere des Landes gewesen,
denn auf ihre Arbeit gründete sich die Aufschließung
und Kultivierung des Kontinents. Seit dem vorletzten Jahrzehnt
des 19. Jahrhunderts begannen ganz andere europäische
Völker den Weg über den Atlantischen Ozean anzutreten. Südeuropäer,
allen voran die Italiener, und Osteuropäer, namentlich
russische Juden stellten das Hauptkontingent der immer
noch eine halbe bis eine Million jährlich betragenden Einwanderung.
Sie rekrutierten sich aus ganz anderen Schichten.
Es waren proletarische Landarbeiter, kleine Händler, ungelernte
Arbeiter, arme Leute, denen es oft schon sehr schwer
wurde, auch nur die geringe Summe aufzubringen, die