Die neue Einwanderung 85
industriellen Unternehmungen, die Minenbesitzer und Eisen-
bahngesellschaften ein Interesse an ihnen; sie kamen auf diese
Weise in den Besitz billiger Arbeitskräfte, und der nie ab-
reißende Strom sorgte dafür, daß das Fehlende immer 8so-
gleich ergänzt wurde; ja, bei wirtschaftlichen Kämpfen konnte
man sie jederzeit als Streikbrecher importieren.
Lange hat man diese neue Einwanderung, die
„schmutzig-weiße‘‘, wie man sie auch zu benennen liebt, ohne
Bedenken aufgenommen, und erst als schon viele Millionen
im Lande waren, wurde man gewahr, daß durch sie eine
große Gefahr für die Realisierung der ‚amerikanischen
Ideale‘ entstanden war. Die romanischen und slavischen
Völker, wie die Juden, widerstrebten einer Assimilierung. Sie
fühlten sich nicht als Amerikaner, sondern in erster Linie
als Angehörige ihres Ursprungslandes. Die amerikanische Kul-
tur hatte von ihnen nichts zu erwarten. Sie wollten die Brücken
nicht abbrechen, und in dem bescheidenen, ihnen zugänglichen
Grade ihre eigene auf so ganz anderen Lebenswerten aufge-
baute Kultur bewahren; sie mischten sich daher nicht unter
die anderen Nationen, blieben in besonderen Stadtvierteln
wohnen, suchten ihre Gebräuche und Traditionen aufrecht
zu erhalten, ja nicht einmal so weit gingen sie, daß sie die
erste Bedingung, die man an einen Einwanderer stellte, zu
erfüllen gewillt waren: sie wollten auch ihrer Sprache treu
bleiben und vom Englischen nur das Allernotwendigste lernen.
So ist die Union allmählich, wie Roosevelt sich ausdrückte,
ein polyglottes Boardinghouse geworden, und sie beherbergt