Die neue Einwanderung 87
Die Überzeugung, daß die einschmelzende Kraft der Union
den Süd- und Osteuropäern gegenüber versagt, ist durch die
Ereignisse während des, Krieges gefestigt worden, und hier
liegt einer der Hauptgründe für die seit 1920 eingeführten
Einwanderungsbeschränkungen, denen aber nicht erst die Er-
fahrungen des Weltkriegs und seiner Folgen den Boden be-
reitet haben, deren Motive vielmehr schon vorher ange-
sammelt waren. Ein Jahrhundert hindurch haben die Ver-
einigten Staaten ihren Stolz darin gesehen, den Elenden und
Unterdrückten aus der ganzen Welt eine Zufluchtsstätte zu
geben, und es ist wenig mehr als ein halbes Jahrhundert her,
daß Emerson schreiben konnte: „Weit offen die Tore. Wir
wollen jede Nation einladen, jede Rasse, jede Hautfarbe, weiße
Menschen, braune Menschen, rote Menschen, gelbe Menschen.
Wir wollen ihnen die Gastlichkeit eines freien Feldes und
gleiche Gesetze für alle bieten. Das Land ist weit genug, der
Boden hat Brot genug für alle.‘ 121 Auch diese Zeiten sind
endgültig vorüber.
Auch der Glaube an das alleinseligmachende Konkurrenz-
prinzip hat einen schweren Stoß erlitten, und man rüttelt
an den geheiligtsten Traditionen. Man hat gesehen, daß es zwar
zum „survival of the strongest‘“ führt, daß aber eben die
strong men schließlich eine Macht in sich vereinigt haben,
die. eine Gefahr für die Gesamtheit der Produzenten und
Konsumenten, ja für die Demokratie bedeutet. Diese, natür-
lich auch erst langsam einsetzende Änderung des Wirtschafts-
geistes manifestiert sich in einem beständig lauter werdenden,