Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

9° Arbeit und Muße 
Wettbewerbs soll ein großmütiger Wettbewerb treten, der 
Gewinn soll nicht die Basis, sondern das Resultat der Dienst- 
leistung sein.‘ 123 Dem halte man dem berühmten Ausspruch 
Vanderbilts gegenüber: „The public be damned!“ 
Auch in der Wertung der Arbeit wird bereits eine 
Umwertung deutlich. Noch immer wird jegliche Arbeit als 
gut und ehrenwert gelten, aber entsprechend der Konsoli- 
dierung der sozialen Schichten macht sich doch allmählich 
eine unterschiedliche Schätzung bemerkbar. Die Handarbeit 
wird mehr und mehr als etwas Untergeordnetes, Erniedrigendes 
betrachtet, und so nahe der gelernte Arbeiter und der An- 
gestellte wirtschaftlich einander stehen mögen, so beginnt sich 
doch eine soziale Kluft zwischen ihnen aufzutun. Der „white 
collar‘“ fühlt sich ziemlich erhaben über den Arbeiter, und 
in dieser Hebung seiner sozialen Stellung wird man nicht zu- 
letzt einen der Gründe für das ungewöhnlich starke Anwach- 
sen der Zahl der Angestellten und der im Handel Tätigen 
gegenüber den in der Produktion Beschäftigten zu sehen 
haben. 
Rein zeitlich gemessen ist das Arbeitsquantum auch schon 
ziemlich allgemein vermindert worden, und von Seiten der 
Gewerkschaften wird auf eine Herabsetzung des Arbeitstempos 
hingearbeitet; der Achtstundentag ist zwar fast nirgends ge- 
setzlich festgelegt, aber in der Praxis, namentlich bei den 
großen Unternehmungen, meist durchgeführt, wie sich auch 
für die Angestellten das Weekend eingebürgert hat. Man sucht 
ein Gegengewicht gegen die zunehmende Mechanisierung der 
FG
	        
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