9° Arbeit und Muße
Wettbewerbs soll ein großmütiger Wettbewerb treten, der
Gewinn soll nicht die Basis, sondern das Resultat der Dienst-
leistung sein.‘ 123 Dem halte man dem berühmten Ausspruch
Vanderbilts gegenüber: „The public be damned!“
Auch in der Wertung der Arbeit wird bereits eine
Umwertung deutlich. Noch immer wird jegliche Arbeit als
gut und ehrenwert gelten, aber entsprechend der Konsoli-
dierung der sozialen Schichten macht sich doch allmählich
eine unterschiedliche Schätzung bemerkbar. Die Handarbeit
wird mehr und mehr als etwas Untergeordnetes, Erniedrigendes
betrachtet, und so nahe der gelernte Arbeiter und der An-
gestellte wirtschaftlich einander stehen mögen, so beginnt sich
doch eine soziale Kluft zwischen ihnen aufzutun. Der „white
collar‘“ fühlt sich ziemlich erhaben über den Arbeiter, und
in dieser Hebung seiner sozialen Stellung wird man nicht zu-
letzt einen der Gründe für das ungewöhnlich starke Anwach-
sen der Zahl der Angestellten und der im Handel Tätigen
gegenüber den in der Produktion Beschäftigten zu sehen
haben.
Rein zeitlich gemessen ist das Arbeitsquantum auch schon
ziemlich allgemein vermindert worden, und von Seiten der
Gewerkschaften wird auf eine Herabsetzung des Arbeitstempos
hingearbeitet; der Achtstundentag ist zwar fast nirgends ge-
setzlich festgelegt, aber in der Praxis, namentlich bei den
großen Unternehmungen, meist durchgeführt, wie sich auch
für die Angestellten das Weekend eingebürgert hat. Man sucht
ein Gegengewicht gegen die zunehmende Mechanisierung der
FG