Full text : Rationalisierung und Wirtschaftlichkeit in der Kali-Industrie

Löhne und Arbeitszeit in der rationalisierten
Kali-Industrie.
Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kaliarbeiter, insbesondere der
Tages- und Fabrikarbeiter, sind gegenüber denen der anderen Industriearbeiter
 die denkbar un g ün st i g st e n. Infolge der niedrigen Entlohnung
sind die Arbeiter gezwungen, neben der zehn- bis zwölsstündigen Arbeitszeit
Überstunden und Nebenschichten zu verfahren. In welchem Umfange Überstunden
 gemacht werden, geht aus den Statistiken der Kaliprüfungsstelle hervor.
 Danach wurden von den Belegschaften nachstehende Schichten verfahren:
Jahr Belegschaft ret tn t M §!
1935 Z190089 | c 199 636.49 369/08
925 24.90 99 636.4! 1 289,05
1. Halbjahr 1926 18 522 2 844 735.12 153,58
Die vorstehend gemachten Angaben beziehen sich nur auf die Arbeiter in
den Kalibetrieben. Die Arbeiter in den Nebenbetrieben sind nicht berücksichtigt.
Die Kali-Industrie ist in gewissem Sinne Saisonindustrie. Schon in der Vorkriegszeit
 wurden in den Sommermonaten Feierschichten eingelegt. Trotßdem
wurde schon damals die durchschnittliche Arbeitszeit von 300 Arbeitstagen
jährlich weit überschritten. Wenn dieses für das Jahr 1925 bei den oben
gemachten Angaben nicht zum Ausdruck kommt, ist es daraus zurückzuführen,
daß im Sommer 1925 mehrere Werke den Betrieb auf die Dauer von sechs
Wochen gesschlossen haben. Im laufend en Jahre wird fast in der
gesamten Kali-Industrie wöchentlich nur an fünf Tagen
gearbeitet. Trotzdem ist auch für das erste Halbjahr 19 26
der Durchschnitt von 150 bereits über schritten. Berücksichtigt
 man die fünft ägi ge Arbeitszeit, so ergibt sich,
daß durchschnittlich jeder Kaliarbeiter. arbheitstäglich
un g ef ähr zwei Üb er stun d en v erf ähr t. Die reine Arbeitszeit
 in. der Kali-Induftrie beträgt daher unter den
heutigen Verhältnissen durchschnittlich 12-14 Stunden
j e S ch i ch t. Auf manchen Werken hat das Überschichtenunwessen so überhand
 genommen, daß angeblich die Produktion in der regulären Arbeitszeit
darunter gelitten hat. Die Generaldirektion des Wintershall-Konzerns hat
deshalb auch veranlaßt, daß auf diesen Werken die Überstunden abgefeierk
werden müssen.
Es ist eine altbekannle Tatsache, daß bei langer Arbeitszeit die niedrigsten
Löhne gezahlt werden. Wenn es den Kaliarbeitern Ernst ist mit dem Kampfe
für Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, für höhere Löhne, für Verkürzung
der Arbeitszeit, dann müsssen sie in erster Linie die Überstunden verweigern.

A)
            
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