Fünftes Kapitel.
Arsprung, Verlauf und Ausgang des Kultur—
kampfs.
Die Entstehung des Dreibundes und die Durchbildung der
inneren Politik des Reiches, so wie sie im vorigen Kapitel
erzählt worden sind, bezeichnen die äußerste Grenze der besonders
starken Einwirkungen, die von der inneren materiellen und
geistigen Entwicklung der ersten Periode des Subjektivismus
auf das öffentliche Wesen ausgegangen sind. Indes würde man
rren, wenn man damit die Summe der überhaupt erfolgten Ein—
wirkungen für erschöpft hielte. Mehr als einmal ist betont
worden!, aus welchen besonderen Gründen auch in der ersten
Periode des deutschen Subjektivismus noch die Kirchen, und ins⸗
besondere die katholische Kirche, als in manchem Betracht fast eben⸗
bürtige öffentliche Bildungen neben dem Staate gezählt werden
mußten. Es war eine Erscheinung, die uns heute schon ziem—
lich historisch anmutet, da sich der Gegenwart auch in Deutsch⸗
land die konsequent subjektivistische Lösung des Verhältnisses
von Kirche und Staat, „freie Kirche im freien Staate“, immer
stärker, wenn auch zunächst noch mehr in der Formel „Trennung
von Staat und Kirche“ aufdrängt, die aber, eben ganz gegen
Schluß der ersten subjektivistischen Periode und fast noch darüber
hinaus, noch einmal ganz besonders drastisch im sogenannten
S. Bd. R, 486 ff. und oben S. 3 ff.