Buch IL
Die katholischen und verwandten Richtungen.
Wir haben es bei den hier in Frage kommenden Richtungen
nicht so sehr mit spezifisch volkswirtschaftlichen Schulen
zu tun, sondern mit allgemein sozial wissenschaftlichen, denen
es auf die Durchdringung der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung
mit bestimmten, ethisch - religiösen Anschauungen in
erster Linie ankommt. Darum treten auch in den katholischen
Schulen die Detail fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik weit
mehr in den Vordergrund, als dies bei der klassischen Schule
der Fall ist. Die praktische Aktion, die Unterwerfung des
Lebens unter Postulate, die von außen an das Gesellschaftsund
Wirtschaftsleben herantreten, ist hier die Hauptsorge. Das
einigende Band aller hierher gehörigen Gruppen ist eben die
Grundanschauung, daß der staatliche Organismus und das Wirtschaftsleben
der katholisch-kirchlichen Sittenlehre oder doch
mindestens dem Dekalog (Le Play) entsprechend zu gestalten
seien. Darüber allerdings, wie eine solche Gesellschafts- und
Wirtschaftsordnung aussehen soll, und welche Mittel zu deren
Verwirklichung am geeignetsten erscheinen, darüber gehen die
Meinungen auseinander. Die Geister scheiden sich, sobald es
gilt, Stellung zu nehmen zu den zwei Kardinalfragen der Organisation
der Gesellschaft und der Einmischung des Staates ins
Wirtschaftsleben.
Die heutige Gruppierung der katholischen und verwandten
Schulen ist wesentlich durch die Stellungnahme zur Frage der
Staatsintervention bedingt. Wir unterscheiden Interventionisten
und Nichtinterventionisten. Innerhalb einer jeden dieser beiden
Gruppen begründen die Anschauungen, welche sich auf die