Object: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die Gewerbetreibenden. 
Wollen wir nun wissen, in welchen Gewerben die Frauenarbeit 
vorzugsweise Verwendung fand, so bietet sich dazu kein anderes 
Material als die in den für die Herstellung der vorhergehenden 
Übersichten benutzten Quellen enthaltenen ausdrücklichen Hezeich- 
nungen weiblicher Gewerbetreibenden. Dabei bleibt es zweifelhaft, 
ob mit der Benennung die selbständige Ausübung des betreffenden 
Gewerbes durch eine weibliche Arbeiterin oder nur die Ehefrau 
eines bestimmten Gewerbetreibenden gemeint ist. 
Alle Anzeichen sprechen nun dafür, dass die Frau in Riga ver 
hält nissmässig selten als Konkurrentin des Mannes in der gewerb 
lichen Arbeit aufgetreten ist. Abgesehen von ihrer Thätigkeit als 
Hebeamme, findet man sie im 14. Jahrhundert nur als Rothweberin, 
Tuchwäscherin und Altkleiderhändlerin, im 15. Jahrhundert als 
Anfertigerin der aus Kork und Leder bestehenden Überschuhe, der 
sogen. Cilotzen, namhaft gemacht, ln Reval ist im 14. Jahrhundert 
die einzige Gewerbetreibende eine Aderlasserin, d. h. wohl die 
Frau eines Inhabers einer Badstube, die sich wie ihr Mann aufs 
Schröpfen verstand. Etwas lebhafter tritt die Frau in Kiel hervor. 
Man trifft sie im Bäcker- und im Müllergewerbe, in der Badstüberei, 
sowie als Hökerin und Krämerin. In Stralsund reichte ihre Thätig- 
keit noch weiter. Sie ist Gänse- und Kleiderhändlerin, Hökerin und 
Gastwirthin, (iärtnerin und Hopfenbauerin, sowie Weberin, ja sie 
tritt hier sogar in zwei für ihr (Geschlecht doch kaum geeigneten 
Berufsarten auf — als Falknerin und als Sägerin. In Lübeck und 
Hamburg wiederum erscheint sie sehr selten, in ersterer vStadt 
als Hökerin und Krämerin, in letzterer als Gänsehändlerin und 
Hökerin. Für das 15. Jahrhundert versagen unsere Quellen 
gänzlich und sind weder in Lübeck, Hamburg oder Danzig (Gewer 
betreibende weiblichen (Geschlechts nachweisbar. Es ist also ein 
ausserordentlich beschränktes Feld, auf dem die h rauenarbeit zur 
(Geltung kommt.
	        
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