fullscreen: Denkschrift über die in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen

Geschäfte von der gemeinsamen zentralen Verkaufs 
agentur mit wahrgenommen werden. 
Nach einer Meldung des „Modern Miller“ vom 
7. November 1925 ging damals durch die Hände 
des Pools die Ernte von 50 v. H. der Anbaufläche 
in Manitoba, von 65 v. H. in Saskatchewan und 
von 70 v. H. in Alberta. Nach einer Meldung 
von Mitte Juni 1926 vertreten die Mitglieder der 
drei Weizenpools 14 Millionen Acres Weizenanbau— 
fläche aus einer Gesamtweizenanbaufläche von 
21 Millionen Acres. Die Poolvertretung kündigt 
an, daß zwei Drittel der gesamten Weizenerzeugung 
der drei Prärieprovinzen 1926 von ihr zum Marki 
gebracht werdenee). Die Zahl der Mitglieder wird 
in einer Meldung vom Juni 1926 auf 125 000 von 
einer Gesamtzahl von 2855 500 bewirtschafteten 
Farmen in den drei Provinzen angegeben“). Man 
wird deshalb damit rechnen müssen, daß die Pools 
sich tatsächlich auf die Hälfte der Farmerzahl der 
Prärieprovinzen stützen, und daß sie ein sehr lebens— 
fähiger Faktor in der Weizenversorgung des Welt— 
marktes geworden sind. 
4. Grundgedanken der Poolbewegung und deren 
Verwirklichung. 
Der Grundgedanke des Poolsystems ist: Die 
Weizenerzeuger werfen den von ihnen geernteten 
Weizen zu einem gemeinsamen Einsatz (Pool) zu— 
sammen. Der Weizen wird als Gemeineigentüm 
zum Verkauf gebracht. Gewinn und Verlustrisiko 
des Verkaufsgeschäftes werden dadurch auf die Mit— 
glieder der genossenschaftlichen Vereinigung verteilt 
Die Finanzierung des Absatzes und die Wahl des 
geeigneten Verkaufstermins wird einer gemein— 
samen zentralen Verkaufsagentur übertragen. Durch 
Gewinnung geeigneter kaufmännisch geschultet 
Kräfte für diese Agentur wird die den einzelnen 
Farmern abgehende kaufmännische Fachkenntnis 
und Ubersicht über den Markt erscht. Die Vorteile 
des Poolsystems waren in der Januarnummer 1925 
der „Scoop shovel“ in folgender Weise dargelegt: 
Bis jetzt widmete der Landwirt seine ganze 
Zeit der Hervorbringung landwirtschaftlicher 
Erzeugnisse und dachle wenig oder gar nicht 
an eine richtige Art des Verkaufs. Der Et— 
folg war, daß, wenn er seine Erzeugnisse auf 
den Markt brachte, er immer dem Kaufer auf 
Gnade und Ungnade ausgeliefert war. Der 
Farmer klagt immer wieder: Ich darf nicht 
mitreden bei der Bestimmung der Preise 
dessen, was ich verkaufe und auch nicht dessen, 
was ich kaufe.“ Durch die Pools übernimmit 
er jetzt kaufmännische Methoden in die Or— 
ganisation des Absatzes seiner Erzeugnisse 
. Ein Grundprinzip der Pools ist, daß 
sie nicht auf Geschäftsgewinn für sich selbst 
ausgehen (non-profit basis). Es gibt keinen 
Geschäftsanteil an dem Pool außer den 158 
Anteilen, die durch das Gesetz über die Hau— 
— 
Nr. 148, der eine Meldung der „New Vork Norning 
Times“ aus Winnipeg vom 11. Jun 1926 wiedergibt. 
sa) „Täaliche Rundschau“ vom 25. Juni 1926 Ny 200 
delsgesellschaften notwendig werden. Die 
Folge ist, daß Dividenden weder verdient 
noch bezahlt werden ... 
Daß wir die richtige Zeit, zu der wir unser 
Getreide zu verkaufen hatten, nicht kannten, 
war die Erfahrung, die jeder von uns machen 
mußte. Bisher mußten wir, wenn wir so— 
weit waren, unser Getreide in Bewegung zu 
setzen und zu verkaufen, nach dem Preis 
fragen und Erwägungen darüber anstellen, 
ob die Preise möglicherweise steigen oder fallen 
würden. Durch die Pools ist der Farmer in 
die Vage versetzt, sein Getreide jeweils zu der 
Zeit auf den Weg zu bringen, die ihm am 
besten paßt. Hat er gleich nach dem Vreschen 
Schulden zu decken, so kann er sein Getreide 
abliefern und die Anzahlung bekommen. 
Wünscht er auf der anderen Seite die Ver— 
wendung hoch bezahlter Arbeitskräfte beim 
Herausbringen seines Getreides zu ver— 
meiden, dafür aber mit der Herbstfeld— 
bestellung besser vorwärts zu kommen, so 
kann er das Getreide zu irgendeiner Zeit nach 
Uberwindung der Frostperioden auf den Weg 
bringen. Jedes Mitglied bekommt für die 
gleiche Qualität den gleichen Preis. Die Er— 
zeugnisse werden zusammengeworfen (pooled) 
und die Mitglieder haben Anteile mit gleichem 
Recht. 
Getreideverkauf erfordert Fachkenntnisse 
von einer Art, wie sie der Farmer nicht er— 
langen kann. Durch die Vermittlung des 
Pool engagieren sich die Farmer erfahrene 
Fachleute, die aus erster Hand über den 
Ernteausfall in anderen Ländern, die Preise 
auf den verschiedenen Märkten, über die vor— 
handenen Vorräte und über das Was, Wo und 
Wann der Nachfrage unterrichtet sind. 
Die Schöpfer der Poolbewegung stellen also 
bewußt ein psychologisches Moment in den 
Vordergrund, das der Bewegung zweifellos 
mehr als wirkliche oder vermeintliche bisherige 
finanzielle Erfolge werbende Kraft verliehen 
hat. Der auf seiner weltentlegenen Farm 
sitzende Durchschnittsfarmer sah sich jährlich, 
wenn sein Weizen gedroschen war, einem 
schwierigen Problem gegenüber. Sollte er 
sofort verkaufen oder auf ein Ansteigen der 
Preise warten. Er fürchtete, wenn er zu früh 
verkaufte und nachträglich der Markt anzog, 
bis zur nächsten Ernle seines Lebens nicht 
froh zu werden, erst recht, wenn er nicht ver— 
kaufte und die Preise ins Wanken kamen. Für 
die Mitglieder des Pools ist es gleichgültig, 
ob sie ihren Weizen im September oder März 
verkaufen. Sie bekommen den gleichen Preis 
für die gleiche Qualität. Das Ergebnis soll 
sein, daß tatsächlich jetzt in vielen Farmer— 
häusern heitere Zufriedenheit herrscht, wo eine 
solche früher nur in einem oder dem anderen 
Winter, wenn der Verkauf aut geglückt war, 
aufkam. 
Das Ziel der Bewegung ist aber nicht nur, 
die Befreiung des FJarmers von der Nolf,
	        
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