8. Kap. Der Aufschwung und der Verfall der Nationen.
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Eroberungen von Tyrus durch Alexander den Großen, von Syrakus durch
griechische Stammesgenoffen, von Saguntum, Tarent und Korinth durch die
Römer, von Aquileja durch die Hunnen, von Jerusalem durch die Kreuzfahrer,
wie sie weiter während der Albigenserkriege, während der Religionskriege iin
*6. Jahrhundert und noch im Dreißigjährigen Kriege an der Tagesordnung
waren, um gar nicht davon zu reden, was die noch heidnischen Ungarn und
andere nicht christliche Völker des Mittelalters, was die Mongolen und später
ì>ie Türken an Mord- und Schandthaten aller Art verübten, sind glücklicher
weise nicht mehr alltägliche Erscheinungen. Selbst die Blutthaten der frän
kischen Revolution haben ziffermäßig nicht so viele Menschen auf das Schafott
gebracht, als vielleicht im zweiten punischen Kriege die Eroberung von Tarent
durch pjx Römer an Opfern erforderte. Es kann nicht geläugnet werden,
daß die menschenfreundlichen Lehren des Ehristenthums endlich sehr weite Kreise
von Menschen in hohem Grade mit Achtung vor dem menschlichen Leben er
füllt haben und über die antike Mißachtung des Wohlseins und sogar des
Daseins der Armen und Kleinen und die altgermanische Rauf- und Fehdelust,
elche bis in die Turniere hinein sich geltend machte und so vielen das Leben
kostete, zum guten Theile obgesiegt haben. Diese Thatsache hat sicher zu der
' urken Volksvermehrung beigetragen. Tie durchschnittliche Lebensdauer der
Menschen wurde länger und die Schonung des Privateigenthums, wie sie in
^kn Kriegen der Neuzeit mehr und mehr hervorgetreten ist, verhindert jene
Rnssenvernichtung von Kapital, die früher das Entstehen so vieler Familien
unmöglich machte.
wirken die christlichen Grundsätze der wahren Humanität auf das
wuchtigste in einer Zeit nach, welche das Christenthum, nachdem es die Er-
ölehung des Menschengeschlechtes in so hohem Grade gefördert, als Glaubens-
whalt leider zum Theil verworfen hat. Sogar die direct antichristlichen Par-
dwn getrauen sich angesichts der glaubenstreuen Vevölkerungselemente, welche
w mit besonderem Eifer festgehaltenen religiösen Ueberzeugungen durch Werke
er Charitas in großartiger Weise bethätigen, nicht zum altheidnischen Princip
kr Unterdrückung des Schwachen und der Ausrottung der gefährlichen Gegner
uwie zur rücksichtslosen Vernichtung der unschädlich gemachten feindlichen
ulker zurückzukehren. Möglich, daß diese iin guten Sinne humanitäre Strö-
^. Un 9 dks 18. und 19. Jahrhunderts noch lange anhält, und man wird
^ks um so mehr annehmen können, wenn eine Rückkehr zu den Grundsätzen
eS Glaubens in größerem Umfange stattfinden sollte.
2"s alles wird nun aber möglicherweise die Wirkungen einer spätern
erI vorsichtigern Abschließung der Ehen und einer größern, oft auch in ganz
aubter Weise sich bethätigenden Zurückhaltung im ehelichen Geschlechtsverkehr
ra Üsiren. Es kommt eben darauf an, in welchem Maße diese beiden in