Object: 10 Jahre Wiederaufbau

Doktorgrades ist die Vorlage einer wenigstens zum 
Teil gedruckten Dissertation und die Ablegung zweier 
Rigorosen gefordert. Der obligate Seminarbesuch hat 
sich bei Studierenden, die zu den theoretischen Staats- 
prüfungen oder zu den für die Erlangung des Grades 
eines Doktors der Rechte vorgeschriebenen Rigorosen 
Chemisches Institut der Universität Wien, Währingerstraße 
zugelassen werden wollen, auf mindestens drei Pflicht- 
übungen, bei den Studierenden, die die Erlangung 
des Grades eines Doktors der Staatswissenschaften 
anstreben, auf mindestens sechs Proseminar- und 
Seminarübungen zu erstrecken. 
An der Wiener rechts- und staatswissenschaft- 
lichen Fakultät wurde unter dem Namen eines Pro- 
seminars ein Institut mit einem großen Lesesaal und 
einer reichhaltigen Bibliothek eröffnet, das vornehm- 
lich den Studierenden der ersten Semester Gelegen- 
heit bieten soll, sich mit der Fachliteratur bekannt zu 
machen. Im rechtswissenschaftlichen Seminar wurden 
die Bibliotheksbestände planvoll und ausgiebig ver- 
mehrt, eine eigene Abteilung für römisch-rechtliche 
Papyrusforschung eingerichtet. Aus dem staatswissen- 
schaftlichen Institut wurde das Institut für politische 
Ökonomie und Gesellschaftslehre ausgeschieden und 
als ein selbständiges großes Institut eingerichtet, unter 
gleichzeitigem Ausbau seiner Bibliothek; die anderen 
Abteilungen wurden gleichfalls als selbständige Studien- 
einrichtungen organisiert und sind mit der Lehrkanzel 
für internationales Recht und der Lehrkanzel für 
Staats- und Verwaltungsrecht verbunden. Die Arbeiten 
des Institutes für angewandtes Recht wurden durch 
Einbeziehung ausländischer Studiengebiete (so des 
islamitischen, des ägyptischen Rechtes) auf eine inter- 
nationale Basis gestellt; außerdem wurde ein eigenes 
Lektorat für islamitisches Recht angegliedert, das von 
einem Professor der Universität Kairo versehen wird. 
Fine bedeutende Ausgestaltung erfuhren die Studien 
der strafrechtlichen Disziplinen durch Neueinrichtung 
des Institutes für die gesamte Strafrechtswissenschaft 
und Kriminalistik mit einem kriminologischen Museum 
and Laboratorium und durch die Einbeziehung der 
strafrechtlichen Hilfswissenschaften (Ursachenforschung, 
Zrscheinungslehre, allgemeine Kriminalistik, Unter- 
suchungskunde, kriminalistische Technologie, Kriminal- 
‚olitik, Kriminalpsychologie u. a.), Die volkswirt- 
schaftlichen Studien wurden durch die Erteilung eines 
ständigen Lehrauftrages für Wirtschaftsgeschichte an 
einen Professor und durch die Einrichtung von Vor- 
lesungen von Honorardozenten für Warenkunde und 
für kaufmännische Verkehrs- und Betriebslehre, das 
Studium der Gesellschaftslehre durch die stärkere 
Berücksichtigung der allgemeinen. Gesellschaftstheorie 
erweitert. Auch die Gebiete des Fürsorgewesens und 
der Sozialhygiene wurden in den Vorlesungsplan der 
Fakultät eingefügt. Einer neuen. durch die politische 
Lage seit den Friedensverträgen besonders wichtig 
gewordenen und verantwortungsvollen Aufgabe dient 
das neuerrichtete Institut tür Statistik der Minder- 
heitsvölker. 
An der Grazer rechts- und staatswissenschaft- 
lichen Fakultät erfolgte eine Erweiterung des Studien- 
bereiches durch Neueinführung von Vorlesungen 
über Wirtschaftsgeschichte, Arbeitsrecht, Kriminal- 
siologie, Buchhaltungswesen und Bilanzkunde, sowie 
lurch stärkere Berücksichtigung des ausländischen 
Rechtes (reichsdeutsches Recht, slawische Rechts- 
zeschichte). Das’ rechts- und staatswissenschaftliche 
Seminar weist eine wesentliche Vermehrung des 
3Züchereibestandes auf, wobei namentlich auch auf 
die Bedürfnisse der Rechtsvergleichung Rücksicht 
zenommen wurde. Für die Wirtschaftswissenschaften 
wurde eine eigene Abteilung errichtet. Die vapvro- 
';ogische Abteilung wurde weiter ausgebaut und 
-äumlich und sachlich mit dem altgeschichtlichen 
Seminar in Verbindung gebracht. Eine weitgehende 
\usgestaltung erfuhr das Kriminologische Institut; 
1ach Übersiedlung in die Räume des vom Staate 
angekauften Meerscheinschlosses konnte an den Aus- 
au der Forschungs- und Unterrichtseinrichtunge? 
seschritten werden. Zu diesem Behufe wurden der 
Chemisches Institut der Universität Wien, Schaltkammer
	        
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