48
Die Arbeit.
aufweisen könnte, wie die Zoologen die Tiergatlungen trennen;
vor allem finden auch zwischen den Völkern, und zwar nicht
nur in unserer Zeit der großen Wanderungen, stete Kreuzungen
und Vermischungen statt. Je nach dem Grade der Mischung
wird der Charakter der ursprünglichen Bevölkerung mehr oder
minder stark beeinflußt, wie die Römer am Rhein vor fast zwei
tausend Jahren, die französischen Refugies im Berlin Friedrichs
des Großen deutlich genug in ihrer Nachwirkung heut noch zu
spüren sind. Ist die (Quantität fremden Blutes eine größere,
so entsteht auch wohl ein ganz neues Volk, wie Sachsen und Nor
mannen zu Engländern werden. Im einzelnen Individuum, das
ja schließlich uns in letzter Linie als Träger des volkscharakters
entgegentritt, können der Kreuzungen so viele sein, daß Skeptiker
den Gedanken einheitlicher Volkseigenschaften für unmöglich er
klären. Aber man braucht nicht nur an Extreme, wie etwa meia-
nesische Stämme der Südsee und blonde Nordländer zu denken,
um über der Mannigfaltigkeit der Individuen die Volkseinheit
zu sehen; schon zwischen Nord- und Süddeutschen, ja bisweilen
zwischen Bewohnern von Nachbarstädten treten Unterschiede in
Erscheinung, die jedem bekannt sind. Wieweit Liese Unterschiede
auf Rasseneigentümlichkeiten und wieweit auf anderen Ursachen
beruhen, ist für uns gleichgültig; genug, daß sie vorhanden sind.
Es sei nur an die musikalische Begabung der Zigeuner und der
Neger, die kaufmännischen Fähigkeiten der Armenier, Juden,
Griechen, Indier, das technische Geschick der Nordamerikaner,
Engländer, Deutschen erinnert.
Fast noch wichtiger freilich als die verschiedene Begabung,
über deren wandlungsmöolichkeit bei veränderten Umständen wir
noch viel zu wenig unterrichtet sind, ist der verschiedene Lebens
standard, der die Völker oder Volksgruppen in gewisse Lrwerbs-
schichten ohne weiteres eingliedert. Er scheint durchwegs in der
europäisch-amerikanischen Wirtschaft die Neigung zu bestehen,
eine Reihe körperlich anstrengender Arbeiten an landfremde Rassen
abzugeben. Italienische Erdarbeiter in Deutschland, schwarze
Minenarbeiter in Südafrika, chinesische Kulis in der Zuckerindu
strie Hawaiis, japanische Landarbeiter in den Gbstpflanzungen
Kaliforniens; es ist durchwegs dasselbe Bild. Damit ist freilich
nicht gesagt, daß diese Fremdlinge nun immer im Kreis der ihnen
überlassenen groben Arbeiten bleiben müssen; die Furcht nament
lich der weißen Arbeiter der angelsächsischen transozeanischen