fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Vierter Teil. 
München-Gladbacher Arbeiterfamilien hat festgestellt werden 
können, daß während von den Jungens nur 8 0% nicht bei ihren 
Eltern lebten, das gleiche bei den weiblichen Arbeitern des- 
selben Alters zu 9,3 0% der Fall war. Dieser hohe Prozentsatz 
junger Mädchen lebt völlig ungebunden und auch in sexueller 
Beziehung fast so frei wie der junge Mann“7. So daß der Ein- 
gang der Ehe später für sie nichts anderes mehr ist, als der Ein- 
tritt in eine Wirtschaftsgemeinschaft48, Im höchsten Grade trifft 
die Beobachtung über das Unabhängigkeitsgefühl der jungen 
einheimischen Arbeiterin in Nordamerika zu. Hier beansprucht 
sie allgemein das Recht, ihren Lohn für sich selbst zu be- 
halten und über dessen Verausgabung selbst zu entscheiden. 
Auch schon 1ı4jährige Kinder ziehen es aus diesem Grunde 
vor, in Lodginghouses zu wohnen, um die freie Verfügung über 
ihren Lohn zu erhalten*%. Dagegen überantworten die Neuein- 
gewanderten in Amerika (Slawinnen, Italienerinnen) ihren 
Lohn noch beständig und bedingungslos dem häuslichen Ge- 
samtbudget5% In der Tat ist die Familieneinheit moralisch wie 
ökonomisch in Italien am kräftigsten51, wenn sich auch heute 
selbst in diesem patriarchalischen Lande Anfangsspuren der 
entgegengesetzten Entwicklung verfolgen lassen. 
Der Unterschied im Verhalten zu den Eltern in den ver- 
schiedenen Ländern ist wohl kaum allein auf Traditionen zu- 
rückzuführen. Auch sind die Variationen innerhalb des 
47 Bernays, S, 226. 
48 Ebenda, S. 229. 
49 Alfr. Kolb, Als Arbeiter in Amerika, Berlin 1905, Sigismund, S, 125, 
5 Annie Marion MacLean, Wage-Earning Women (in America), 
New York 1910, Macmillan, p. 178; Andre Siegfried, Die ‚ethnische 
Krise der Vereinigten Staaten, im Jahrbuch für Soziologie. Bd. IIT, Karls- 
ruhe 1927, Braun, S, 2974. 
51 Robert Michels, Über einige Grundzüge des modernen Italiens, 
im „Weltwirtschaftlichen Archiv“, vol. VI, Juli 1915, Heft ı; Gualtiero 
Sarfatti, I Sentimenti familiari nel Popolo italiano, in der Rassegna Na- 
zionale (Firenze), vom ı. April 1910, p. 8ss.; Garlanda, p. 310.
	        
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