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Indem wir mm die Tatsache*) des Sinkens der Arbeitspro
duktivität bei sukzessiven Aufwänden von Arbeit auf demselben
Boden konstatieren, haben wir auch eine der Bedingungen
der wirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen angegeben. An und
für sich ändert diese Tatsache die Wirtschaft nicht, aber sie
zwingt die menschliche Gesellschaft zur Änderung des Wirt
schaftssystems, da man damit rechnen muß. Die Zunahme der
Bevölkerung erlangt erst in Verbindung damit zur Zeit der
Naturalwirtschaft eine gewaltige Bedeutung für die Entwicklung
der Agrikultursysteme. Unter dem Drucke der Bevölkerungs
zunahme und des Sinkens der Arbeitsproduktivität bei neuen
Arbeitsaufwänden ging die Bevölkerung zu neuen, intensiveren
Wirtschaftsformen über. Dies war indes nur möglich, wenn sich
die Produktivkräfte — dieser Hauptfaktor des wirtschaftlichen
Fortschrittes — entwickelten. Im anderen Falle hätte eine Ände
rung der Wirtschaftsformen und eine Vermehrung der Bevölke
rung nicht stattfinden können. Der Bevölkerungsüberschuß
würde dann aussterben und der Übergang zur immer intensiveren
Kultur würde aufgehalten werden.
Nach allem Gesagten tritt auch die Bedeutung der Einteilung
in Wirtschaftsstufen hervor, die von List ihre genaueste For
mulierung erhielt. List teilte bekanntlich die wirtschaftliche Ent
wicklung in fünf Perioden ein, und zwar in der Periode der Jagd
und Fischerei, der Viehzucht, des Ackerbaues, des Ackerbaues in
Verbindung mit Gewerbebetrieb, des Ackerbaues in Verbindung
mit Gewerbe- und Handelsbetrieb.
Es ist klar, daß hier eine Verwechslung der Systeme der
Wirtschaft mit deren Organisation vorliegt. Die Wirtschafts
systeme, Jagd, Viehzucht und Ackerbau, hängen von der
Bevölkerungsdichte ab und erweisen sich als Resultat des Sin
kens der Arbeitsproduktivität bei sukzessiven Arbeitsaufwänden.
*) Es ist eine Tatsache, keineswegs aber ein Gesetz, weil eine
neue Erfindung denkbar ist, die die weiteren Aufwände von Arbeit pro
duktiver machen wird. Dann würde auch die extensive Kultur ganz
verschwinden.