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Vierter Teil.
3. Urlaubsbeschränkung und Verlust des Rechts auf Be-
förderung für Geschlechtskranke.
4. Errichtung von unter militärischer Kontrolle und ärzt-
licher Untersuchungspflicht stehenden Bordellen für
Offiziere und Mannschaften ®?, -
B. Ferner treten im Kriege stets starke, sich affektiv äußernde,
ideale Potenzen auf. Zumal rührt sich die nationale Solidarität.
Es kommt zu einem „Kollektivschlagen vieler Herzen“, zu
einem alles bindenden und verbindenden Patriotismus, der vor-
übergehend selbst die ökonomischen, die sozialen und die
Parteiunterschiede zum Schweigen bringt („Es gibt keine Par-
teien mehr“, „L’Union Sacree‘“88), Außerdem, wenn der
Kriegsausbruch und die darauf folgende Zeit auf der einen
Seite die erotische Angriffslust des Mannes (Zusammenhänge
zwischen Krieg und Sexualität®?) mehrt, so vermindert er
dafür auf der anderen Seite die Widerstandskraft des Weibes.
Einmal aus den bisher angezeigten Ursachen heraus, dann aber
auch aus dem Mitleid des Weibes mit dem den Gefahren ent-
gegengehenden Mann und aus weiblicher Dankbarkeit gegenüber
der männlichen Opferwilligkeit (Gefühlen, die der erotisch er-
57 Burke, S. 310. — Dr. Burke selbst schlägt zwei Lösungen vor:
Alle Frauen und Mädchen in weitem Umkreise aus der Kriegszone aus-
zuweisen (S. 312); alle Männer, die unehelichen Verkehr gepflogen, bei
Androhung schwerer Strafen zu zwingen, sich innerhalb ı2 Stunden (nach
dem Beischlaf) zu prophylaktischer Behandlung zu melden (S. 315).
% Die sich auch bis ins häusliche Leben erstreckt und die selbst die
Distanzen zwischen Herrschaft und Dienstbotenschaft mindert. „Im Krieg
ist das. Dienstmädchen etwas gestiegen. Wenn es einen Bruder oder Schatz
hat, der sich im Feld auszeichnet, fällt etwas vom Glanz seiner Taten auf
die Herrschaft, die sich mehr als sonst mit dem Dienstmädchen unterhält
und von ihm die Briefe aus dem Feld geben läßt zum Weiterzeigen, Sogar
wenn Besuch da ist, wird es ins Gespräch gezogen ‚Gell Kathi, Ihr Bruder
steht bei Arras?‘ und auch der Schatz wird gesellschaftsfähig, ja sogar‘
das Kind,“ (In den Süddeutschen Monatsheften vom April 1916, S. 151.)
59 Vgl. Michels, Geschlechtsmoral, S. 15.