Währungstechnische Vorschläge für die Sicherung der Währung.
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soviel Titel der Staatsschulden liegen in der Kasse. Keine Wechsel, keine
Geschäfte mit Privatleuten, kein Risiko, ein ideales Amt für einen Hagestolzen
Bureaukraten.
Diese Methode hat auch noch den vom Standpunkt der Währungs
technik wohl bedeutungslosen, für den Laien aber immerhin beachtenswerten
Vorzug, das; die Geschäfte des An- und Verkaufes der Titel rcgelmäszig
einen Profit für das Geldamt einbringen würden,- denn der Verkauf der
Titel (Geldeinzug) würde bei jeder Hausse vorgenommen werden müssen,
und bei jeder Hausse gehen die Kurse der festverzinslichen Papiere natur
gemäß herunter (warum ist schon gesagt) und der Ankauf der Titel
(Geldausgabe) würde bei jeder Baisse vorgenommen werden, und bei der
Baisse gehen die Kurse der festverzinslichen Papiere aufwärts.
Das Geldamt würde also gewöhnlich gerade dann Titel kaufen müssen,
wenn die Kurse sinken, und dadurch billig kaufen, und die Titel verkaufen,-
wenn die Kurse steigen,- also teuer verkaufen. 2n der Regel müßte also ein
Gewinn zum Vorschein kommen. Diese Regulierung würde somit nicht nur
dem Staate nichts kosten, sondern der Regel nach sogar etwas einbringen.
Vielleicht würden die An- und Verkäufe die Kursschwankungen dieser
Papiere ganz oder zum großen Teil beseitigen, was für die Volkswirtschaft
noch günstiger wäre.
Das sind die Vorzüge dieser einfachen Methode der Geldmarktregulierung.
Doch im Geldwesen ist die Einfachheit, die Bequemlichkeit der Beamten
nicht immer das Beste für den Warenaustausch. Und auf die Sicherheit des
Warenaustausches kommt es an,- die Bequemlichkeit kann erst dann berück
sichtigt werden, wenn alle Waren unter Dach gebracht sind. Im Reichsgeld
amt soll man nicht schlafen, sondern wachen und arbeiten.
Das Geld, das das Rekchsgeldamt durch Ankauf von Titeln der Staats
schulden auf den Markt zu bringen sucht, soll dort gegen Waren angeboten
werden,- denn um die Nachfrage und die Preise zu heben — darum allein,
ganz allein kauft ja das Reichsgcldamt die Titel.
Welche Gewähr hat nun der Warenaustausch, daß der Mann, der die
Titel dem Geldamt gegen Geld verkauft, auch dieses Geld gegen Waren an
bietet? Kommt cs nicht oft vor, ist es nicht vor 6 Monaten in Nordamerika
vorgekommen, daß bei einer Krise die furchtsam gewordenen Bürger alles,
auch die Staatspapiere zu verkaufen suchten, um das Geld zu verscharren?
Was würde es in solchen Fällen nützen, wenn das Rekchsgeldamt durch
Titelankauf Noten ausgibt, wenn die Titclverkäufer nichts Eiligeres zu tun
haben, als den Erlös (Noten) gegen Goldmünzen einzulösen und dieses Gold
zu verbergen? Würde die Erleichterung solcher Liquidation (!) die Schwierig
keiten, die die Krise dem Geldamt so wie so schon bereitet, nicht noch ganz
außerordentlich vermehren?
Dieses Verscharrtwerden des Geldes (hoarding the money) beim Aus
bruch der Krise, gerade also zu einer Zeit, wo das Geld am nötigsten wäre,
ist ja die Hauptschwierigkckt einer vernünftigen Geldvcrwaltung, und diesen
offenbaren Mißbrauch des Tauschmittels darf das Geldamt nicht erleichtern,
sondern muß es mit allen Mitteln erschweren. Der gedachte Ankauf von