Object: Fortschritt und Armut

Kap. III. 
Gewerblicher Fortschritt und Verteilung. 
nur in dein Sinne wahr, daß, wenn eines Menschen Bauch voll ist, 
der Hunger gestillt ist. Seine Nachfrage nach Nahrung hat keine solche 
Grenze. Der Magen eines Louis XIV., eines Louis XV. oder eines 
Louis XVI. konnte nicht mehr bewältigen und verdauen, als der Magen 
eines französischen Bauern gleicher Größe; während aber wenige Ruten 
Bodens das schwarze Brot und die Gemüse lieferten, welche den Unter 
halt des Bauern ausmachten, bedurfte es Hunderttausende von Morgen, 
um die Bedürfnisse des Königs zu befriedigen, der, abgesehen von seinem 
eigenen verschwenderischen Verbrauch der besten (Dualitäten von Nah 
rungsmitteln, ungeheure Mengen für seine Diener, Pferde und Hunde 
brauchte/ Und aus den gewöhnlichen Vorkommnissen des täglichen 
Lebens, aus den unbefriedigten, obgleich vielleicht verborgenen Wünschen 
jedes einzelnen können wir ersehen, wie jede Zunahme der Kraft irgend 
eine Güterart zu erzeugen, in einer vermehrten Nachfrage nach Land 
und den unmittelbaren Produkten des Landes enden muß. Der Mann, 
der jetzt grobe Nahrung verbraucht und in einem kleinen Hause lebt, 
wird in der Regel teurere Nahrung verbrauchen und nach einem größeren 
Hause ziehen, wenn sein Einkommen größer wird. Wenn er reicher und 
immer reicher wird, so wird er sich Pferde, Diener, Gärten und Rasen 
plätze zulegen, und seine Nachfrage nach Verwendung von Land steigt 
beständig mit seinem Reichtum. Zn der Stadt, in der ich schreibe, lebt 
ein Mann — nur ein Ttzpus von Leuten, wie sie überall anzutreffen 
sind — der sich seine Bohnen selbst zu kochen und seinen Schinken selbst 
zu rösten pflegte, jetzt aber, wo er reich geworden ist, ein Haus in der 
Stadt besitzt, das ein ganzes Karree einnimmt und für ein Hotel erster 
Klasse ausreichen würde, außerdem zwei oder drei Landhäuser mit aus 
gedehnten Anlagen, ein großes Gestüt von Rennpferden, eine Zuchtfarm, 
privatbahn usw. usw. Es ist jetzt sicherlich wenigstens tausendmal, 
wenn nicht mehrere tausendmal so viel Land nötig, um die Bedürfnisse 
dieses Mannes zu befriedigen, als zu der Zeit, wo er arm war. 
Und so verursacht jede beliebige Erfindung oder Verbesserung, 
die der Arbeit die Kraft verleiht, mehr Güter zu erzeugen, eine ver 
wehrte Nachfrage nach Land und seinen direkten Produkten und wirkt 
so darauf hin, den Spielraum des Anbaues einzuengen, genau so, wie 
es die durch Bevölkerungszunahme verursachte Nachfrage tun würde. 
Da dies der Fall ist, so hat jede arbeitersparende Erfindung, sei es nun 
ein Dampfpflug, eine Telegraphenanlage, ein.verbessertes Verfahren, 
Erze zu schmelzen, eine vervollkommnete Druckerpresse oder eine Näh 
maschine, die Wirkung, die Grundrente zu erhöhen. 
Oder um diese Wahrheit bündig auszudrücken: 
„Da die Güter in allen ihren Formen das 
Produkt der auf den Grunh und Boden oder dessen 
Erzeugnisse verwendeten Arbeit sind, so wird jede 
Zunahme in der Kraft der Arbeit — da die Nach 
frage nach Gütern nie befriedigt ist — dazu be
	        
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