Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 47 
Rudolf die Kurstimmen für seine Wahl zu gewinnen. Darum 
hatte König Wenzel II. im Jahre 1289 die Lehen der Mark— 
grafen von Meißen erhalten, darum war ihm bald darauf ein 
Erbvertrag bestätigt worden, kraft dessen ihm nach dem Aus— 
sterben der schlesischen Herzogslinie in Breslau deren Land zu— 
fallen sollte. Darum vor allem hatte König Rudolf schon seit 
dem Jahre 12885 Bedacht genommen, die noch unsichere Stimme 
Böhmens im Kurfürstenrat! zu befestigen. Es war ihm ge— 
lungen; im Jahre 1290 konnte er die Übertragung des Erz— 
schenkenamtes und einer Kurstimme an Böhmen nochmals ver— 
briefen. Und schon waren auch Sachsen und Brandenburg, 
mit dem böhmischen Königshause eng verwandt, für seine Pläne 
gewonnen. Es bedurfte nur noch der Stimmen der rheinischen 
Kurfürsten. 
Aber hier stieß Rudolf auf den hartnäckigsten Widerstand. 
Er mußte ihn um so mehr erbittern, als er anscheinend durch die 
selbstsüchtigsten Beweggründe veranlaßt ward, vor allem durch 
die Hoffnung, nach dem Tode Rudolfs von einem noch nicht 
sicher feststehenden Thronkandidaten mehr an Wahlbestechungs⸗ 
geldern herausschlagen zu können, als vorher von dem als karg 
bekannten Herrscher und seinem Sohne. Rudolf vermutete 
gewiß diese Gründe; altersschwach und dem Grabe sich zu— 
neigend, mußte er an ihnen seinen besten Plan scheitern sehen; 
vergebens hat er auf einem Hoftag zu Frankfurt Ende Mai 
1291, im Purpurgewande thronend, das Scepter in der Hand 
und die Krone auf dem Haupte, noch einmal die Verhandlungen 
zum Abschluß zu bringen gesucht. 
Von Frankfurt ritt der König nach Straßburg; aber kaum 
in der Mitte der getreuen Bürger dieser Stadt angelangt, fühlte 
er sich dem Tode nahe. Es war sein Wunsch, zu Speier zu 
ruhen, in der Gruft der deutschen Herrscher, neben Philipp 
von Schwaben, dem einzigen Staufer, der neben den Helden 
des salischen Hauses hier schlummerte. So machte er sich auf, 
und reitend, zu beiden Seiten fromme Priester, deren Gesprächen 
1 S. darüber oben S. 28.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.