Object: Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns

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ziale Reformen würde ihre Existenz erschweren; deshalb 
kämpfen sie gegen die Akbeiter. 
Dicelt hatte also ein großer Teil des deutschen Mittel— 
standes kein Interesse au Militarismus und Imperialis— 
nus. Aber er hatte es indirekt. Und ein direktes In— 
teresse hatte er an der Ausbeutung der Arbeiter. 
So steht es mit jenem Teil des Mittelstandes, der 
mehr Vorteile als Nachteile vom Kapitalismus hat. An— 
ders mit dem Teil, der dem Proletariat näher steht. Der 
dleinbauer, der Kleinpächter, der kleine Handwerker, der 
kleine Ladenbesitzer, der Unterbeamte mit niedrigem Ein— 
fommen, sie hängen alle auch vom Kapital ab, aber nur 
nsofern, daß sie von ihm erdrückt werden. Kredit haben 
sie nicht; dagegen sind sie dem Proletariat verwandt, von 
dessen Kundschaft sie oft leben müssen. Sie sind also gegen 
Militarismus und Imperialismus und, wenn auch nicht 
so nachdrücklich wie die Arbeiter, für soziale Reformen. 
Und in dem Maße, wie die Entwicklung der Technik 
das Proletariat vergrößert, die Gefahr für die arme Mittel— 
klasse, ins Proletariat abzustürzen, zunimmt und der Druck 
oon Staat und Kapital schwerer wird, in dem Maße än— 
dert sich auch das Denken dieser Schichten des Mittelstan— 
vdes. ihr Wollen richtet sich immer mehr gegen das Ka— 
pital. 
Dieser Teil des Mittelstandes hat also kein direktes, 
aber er hat ein indirektes Interesse an sozialen Reformen. 
Weil daher die oberen Schichten des Mittelstandes 
kein direktes Interesse am Großkapital, die unteren Schich— 
ten kein direktes Interesse an sozialen Reformen haben, 
ist das politische Denken aller dieser Schichten etwas un— 
sicher und schwankend. Es kommt vor, daß bald die höhe— 
ren Schichten etwas mehr zu den Arbeitern, bald die nie— 
drigen etwas mehr zum kapitalistischen Interesse hinnei— 
gen, freilich nicht auf längere Zeit. Auch werden diese 
Schichten leicht ein Spielball für Emporkömmlinge und 
Intriganten. 
Die Wirkung der Produktions- und Eigentumsver— 
hältnisse spiegelt sich hier klar wieder. 
Die Arbeiterklasse — wir brauchen das kaum zu 
sagen — hat weder direkt noch indirekt ein Interesse an 
Imperialismus, Militarismus und Kolonialpolitik. Sie 
beuten den Arbeiter aus und machen ernste soziale Refor— 
men schwierig oder unmöglich. Krieg und nationale Eifer— 
sucht brechen die internakionale Solidarität der Arbeiter, 
die große Waffe, mit der sie, wie wir weiter noch zeigen 
wollen, den Kapitalismus besiegen werden
	        
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