Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Siebter Abschnitt. 
schlechteste Wasserzufuhr und, in Städten, größter Mangel an Licht 
und Luft. Dies sind die Gesundheitsgefahren, denen die Armut un- 
vermeidlich ausgesetzt ist, wenn diese Armut Nahrungsmangel ein- 
schließt. Wenn die Summe dieser Uebel von furchtbarer Größe für 
das Leben ist, so ist der bloße Nahrungsmangel an sich selbst ent- 
setzlich. ... Dies sind qualvolle Gedanken, namentlich wenn man 
sich erinnert, daß die Armut, wovon es sich handelt, nicht die selbst- 
verschuldete Armut des Müßigganges ist. Es ist die Armut von 
Arbeitern. Ja, bei den Hausarbeitern ist die Arbeit, wodurch der 
knappe Bissen Nahrung erkauft wird, meist über alles Maß ver- 
längert. Und dennoch kann man nur in sehr bedingtem Sinne 
3agen, daß diese Arbeit ausreicht, den Arbeiter von Unterstützungen 
mmabhängig zu machen. . . . In sehr großem Maße kann die nominelle 
Selbsterhaltung nur ein kürzerer oder längerer Umweg zum Pauperis- 
Mus sein.‘“114 
Der innere Zusammenhang zwischen Hungerpein der fleißigsten 
Arbeiterschichten und auf kapitalistischer Akkumulation begründe- 
tem, grobem oder raffiniertem Verschwendungskonsum der Reichen 
anthüllt sich nur durch die Erkenntnis der ökonomischen Gesetze 
Anders mit dem Wohnungszustand. Jeder unbefangene Beobachter 
sieht, daß je massenhalfter die Zentralisation der Produktionsmittel 
desto größer die entsprechende Zusammendrängung von Arbeitern 
auf geringem Raum, daß daher, je rascher die kapitalistische Akku- 
mulation, desto elender der Wohnungszustand der Arbeiter. Die 
das Wachstum des Reichtums begleitende „Verbesserung“ und „Ver 
schönerung“ (improvements) der Städte durch Niederreißen schlecht 
yebauter Viertel, Errichtung von Palästen für Banken, Waren 
häuser usw., Verbreiterung der Straßen für Geschäftsverkehr und 
Luxuskarossen, Einführung städtischer Eisenbahnen usw. verjagt 
augenscheinlich die Armen in stets schlechtere und dichter gefüllte 
Schlupfwinkel. Anderseits weiß jeder, daß die Teuerkeit der 
Wohnungen im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Güte steht und 
laß die Minen des Elends von Häuserspekulanten mit mehr Profit 
und weniger Kosten ausgebeutet werden als jemals die Silbermine? 
von Potosi. 
Der antagonistische Charakter der kapitalistischen. Akkumulatio® 
und daher der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse überhaupt!” 
wird hier so handgreifbar, daß selbst die offiziellen englischen Be 
richte über diesen Gegenstand wimmeln von ketzerischen AusfälleP 
auf das „Eigentum und seine Rechte“. Das Uebel hielt solche” 
Schritt mit der Entwicklung der Industrie. der Akkumulation des 
“4 Ebenda, S. 14, 15. 
‘5 „Nirgendwo sind so offen und so schamlos die Rechte der Person 
dem Recht des Eigentums geopfert worden, als in den Wohnungsverhältnisse® 
der arbeitenden Klasse, Jede große Stadt ist eine Stätte des Menschenopfer® 
ein Altar, worauf Tausende jährlich dem Moloch der Habsucht geschlachte 
werden.“ (S. Laing: „National Distress, 1844“, p. 150.)
	        
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