Full text: Die Vereinigte Stahlwerke A.-G.

Im allgemeinen wird der Martinofenprozeß so durchgeführt, 
daß im Herde der Öfen 80 % Schrott mit nur etwa 20 % 
Stahleisen eingeschmolzen werden. Hieraus wird erkennbar, 
welche besondere Stellung der Martinofenprozeß unter allen 
hüttenmännischen Prozessen einnimmt, und welche hervor- 
ragende Bedeutung die Wiederverarbeitung des Schrotts im 
Laufe der hüttenmännischen Prozesse besitzt. 
Im Martinofen wird nun nicht nur Rohstahl für die 
Weiterverarbeitung in den Walzwerken hergestellt, sondern 
es wird ein nicht unbedeutender Teil der vorhandenen Martin- 
Öfen in Stahlgießereien für Zwecke der Herstellung von Stahl- 
formguß betrieben. 
Die Martinöfen können in ihrem Herde entweder ent- 
sprechend den Thomasconvertoren basisch zugestellt sein und 
mit basischen Schlacken geführt werden, oder sie sind ent- 
sprechend den Bessemerbirnen mit sauren Steinen aus- 
gekleidet, und der Prozeß wird mit saurer Schlacke geführt. 
Ein näheres Eingehen auf diese Spezialisierungen dürfte hier 
zu weit führen. 
Im Stammbaum der deutschen Eisenindustrie (S.21) finden 
wir, auf der bereits mehrfach erwähnten Horizontalreihe weiter 
nach rechts gehend, die Notiz, daß auch heute noch eine re- 
lativ geringe Menge eines für diesen Zweck speziell erblasenen 
Roheisens in Puddelöfen in Schweißeisen umgewandelt wird, 
welches für die Herstellung von Fertigfabrikaten wiederum 
verschiedenen Walzvorgängen unterworfen werden muß. 
Die Umwandlung von Roheisen in schmiedbares Eisen, 
welche im Puddelofen vor sich geht, ist die älteste von den 
hier besprochenen Methoden zur Erzeugung von schmied- 
barem Eisen. Der Puddelprozeß hat eine große historische 
Bedeutung, da er etwa vom Beginn des‘ 19. Jahrhunderts 
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