M:". Damen und Herren! Als vor nunmehr Jahresfrist der
/ | damals eintretende Reichsfinangminister Reinhold den Etat
einbrachte, der mit der Ankündigung des Steuer-
milderungsgesset es verbunden war, gab in der Debatte
der Redner der Zentrumspartei der Erwartung Ausdruck,
daß der neu antretende Finanzminister seinem Nachfolger
einmal die Reichsfinanzen in derselben guten Verfassung
hinterlassen möge, wie er sie vorgefunden habe. (Sehr richtig!
bei den Deutsschnationalen.) Der jetzt ausgeschiedene Reichs-
finanzminister Reinhold hat dieser Tage in einer Etatsrede
die er zwar in diesem Hause nicht mehr halten konnte, die er aber in
der ihm nahestehenden Presse veröffentlicht hat, den beneidenswerten
Mut gehabt, auf diese Warnung zurückzukommen, und zwar mit
dem Hinweis, daß die Befürchtungen vom Frühjahre 1926 völlig
unberechtigt gewesen seien. Er führt aus: troßdem wesentliche Mehr-
beträge gegenüber dem Voranschlage hätten zur Verfügung gestellt
werden müssen, werde das Etatsjahr 1926 trotz der durchgeführten
Steuermilderungen nicht mit einem Defizit, wie angekündigt worden
sei, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem erfreulichen
Ueberschuß abschließgen. Jch habe nur Veranlassung, Herrn Rein-
holds aufschäumenden Wein des Optimismus, von dem wir schon
früher zahllose Proben im letzten Jahre kredenzt bekommen haben,
in Vergleich zu den sachlichen Darlegungen des jetzigen Reichs-
finanzministers zu stellen. Zunächst ist festzustellen, daß Herr Rein-
hold sein Amt antrat mit U e b er schü s s e n , Betriebs-
mitteln, Ausgaberesten, Einnahmen aus Muünzgewinnen im
Gesamtbetragse von ungefähr 900 Millionen Mark, (hört!
hört! bei den Deutsschnationalen) eine Summe, die man als
Gessamtreserve bezeichnen kann, die ihm zur Verfügung stand. Von
einem Ueberschuß, den er sich herausrechnet, ist nach den sachlichen
Darlegungen, die wir heute gehört haben, mit keinem Wort die
Rede, ein irgendwie noch entstehendes Plus kann jedenfalls kaum zu
Buch schlagen. Man kann höchstens sagen, daß das Rechnungsjahr
1926 glatt aufgeht und daß der Haushaltsplan des Reiches für das
Rechnungsjahr 1927 auch aller stillen Reserven entblößt ist. (Hört!
Hört! bei den Deutschnationalen.) Herr Dr. Reinhold hat es sich
immer, so auch noch in seiner nichtgehaltenen Etatsrede, zum Ver-