Full text: Wirtschaftspolitische Tagesfragen

sich vielfach mit Darlehnsgeschäften. So ist 
gs auch gekommen, daß wir in der Nach: 
kriegszeit in landwirtschaftlichen Organisa- 
tionen Beteiligungen an Reedereien und 
anderen Dingen sahen, daß Geld in Kanäle 
geleitet wurde, in die es nicht hineingehörte. 
Das liegt daran, daß an der Spitze der 
Organisationen keine Kaufleute stehen, son: 
dern Männer, die in der Kaufmannschaft 
und in ihrem Berufe nicht groß geworden 
sind. Ich kann mir auch als Kaufmann keine 
chirurgische Klinik leisten oder Konsistorial- 
tat werden. (Heiterkeit.) Ich muß eben an 
die Spitze solcher Betriebe Kaufleute stellen, 
die mit den kaufmännischen Geschäfts: 
usancen vertraut sind; darüber ist gar kein 
Zweifel. Ich spreche das hier aus, weil es 
mir eine erwünschte Gelegenheit ist, die 
Dinge, die ich schon öfter offen in der 
Öffentlichkeit ausgesprochen und geschrie- 
ben habe, auch hier vor diesem Kreise 
nennen zu können. Man soll nicht immer 
hinstarren auf Zollschutz; man kann nicht 
immer sagen: Handelsverträge schaden uns 
öder, wie es hier in den Grundsätzen des 
Landbundblattes heißt, sagen: 
„Kein neuer Handelsvertrag mit weites 
rer Preisgabe des landwirtschaftlichen 
Schutzes, keine autonome Herabsetzung 
jetzt in Kraft befindlicher landwirtschaft: 
licher Zollsätze, kein neuer Handelsver- 
trag mit allgemeiner Meistbegünstigung, 
Verbot der Einfuhr und Beseitigung aller 
zollfreien oder sonst begünstigter Einfuhr 
solcher Agrarprodukte, die im Auslande 
hergestellt werden.“ 
Ja, meine Herren, wie sollen wir denn 
überhaupt zu einer Befriedung der -Wirt- 
schaft in Europa und der Welt kommen, 
wenn wir solche Grundsätze als maßgeblich 
für die Wirtschaftspolitik Deutschlands an: 
sehen wollten! Sie können versichert sein, 
wenn das durchgeführt wird, dann liegt die 
Industrie in 5 Jahren noch schlimmer auf 
der Nase als heute die Landwirtschaft. 
(Sehr richtig!) 
Andere Dinge kann man konzedieren. 
Man kann das Einfuhrscheinsystem für die 
Schweine einführen. (Sehr richtig!), obwohl 
ich dieses Einfuhrscheinsystem bei Roggen 
und Weizen, wie es jetzt ist, für falsch halte. 
(Sehr richtig!) Wir hatten eine knappe 
Roggen: und Weizenernte und da wir im 
Monat März allein, ich glaube, 26000 t 
Roggen ausgeführt haben, müssen wir be: 
sorgt sein, diese wieder hereinzuholen. Die 
Folge ist z. B., daß in der Provinz Schlesien 
die ganze Mühlenindustrie ihre Betriebe zu: 
nachen muß. (Sehr richtig) EN a 
Dinge etwas nüchterner om Standpunkte 
ler allgemeinen Interessch .au ‚bei h np 
las ist meine Auffassung: nl SC Ks 
Aber man ist ja nicht seht, beliebt, wenn 
nan die Wahrheit sagt. \(Heiterkeit nd/ 
Sehr richtig!) /* Mie\* 
Meine sehr verehrten Herren, ich folge 
der Landwirtschaftskammer - Organisation 
durchaus auf dem Wege, den sie hinsichtlich 
ler sehr sachlichen industriellen Beratung 
ler Landwirtschaft eingeschlagen hat. Ich 
'rage aber immer: weshalb ist die Not 
jerade jetzt so akut geworden? Weshalb 
ıat man nicht etwas von den Ideen und Ge: 
lankengängen, die Herr Professor Schultze 
ind sein Herr Nachredner ausgesprochen 
ı1aben, auch in der Landwirtschaft ans 
jewandt, wie es in anderen Staaten der Fall 
jewesen ist, in dem Sinne, daß man genau 
;o Organisationen geschaffen hat, wie unsere 
Nachbarn dies längst getan haben? Ich darf 
Sie daran erinnern, was Ihnen vielleicht 
ılcht so geläufig ist, daß wir in den 80er 
Jahren, wo es bei uns in Deutschland auch 
ıicht gerade sehr lustig aussah, in Dänemark 
ine große Agrarkrisis hatten. Da hat der 
Staat eingegriffen und den Landwirten bei: 
jebracht, daß man sich organisieren müsse, 
ıicht unter Ausschaltung des Privathandels 
ıder des Privatschlächters. Diese Organisas- 
ionen hat man in Dänemark geschaffen und 
ıat sie vorbildlich geschaffen. Ich weiß, 
trotzdem geht es den Dänen nicht immer 
zehr gut. Aber überlegen Sie sich einmal: 
Jänemark ist ein rein landwirtschaftliches 
„and, in dem als Industrie vielleicht nur 
ıoch einige Großbrauereien sind. Eine 
ındere größere Industrie gibt es dort nicht. 
Sie werden mir zugeben, daß es eine kolossale 
‚eistung ist, daß Dänemark von seiner 
;anzen Fleischproduktion, die es hat, etwa 
0 Prozent nach England exportiert hat; es 
jind, sage und schreibe, im vorigen Jahre 
>22 Millionen Ztr. Schweine allein nach 
‚ondon ausgeführt. Diese klugen Dänen, die 
jewiß unter anderen klimatischen Verhält- 
ıssen leben wie manche Gebiete bei uns, 
lie aber doch unter denselben klimatischen 
Verhältnissen leben wie wir in Schleswig: 
Iolstein, in Oldenburg, in Ostfriesland, zum 
Ceil in Ostpreußen, auch zum Teil in der 
Provinz Schlesien, die Ilandwirtschaftlich 
ıach meinem Empfinden noch bessere 
Niederschlagsverhältnisse hat wie andere 
andwirtschaftliche Provinzen in Deutsch- 
and — diese Dänen haben z. B. in ihrem 
„ande in den wenigen Genossenschaften, 
-. B. bei einer Zahl von 11 Vereinen, allein
	        
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